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Kapitel 2 - Esskulturen fördern und gesund gestalten

3D-Würfel

Ernährungsstil und Essgewohnheiten werden maßgeblich durch die Sozialisation in der Familie bestimmt. Die Einstellung zum Essen ist abhängig von Bildung, Kultur, Einkommen etc. Akademikerschichten haben oftmals andere Einstellungen als bildungsfernere Schichten. Familien mit einem guten Einkommen haben häufig eine andere Haltung als sozial Benachteiligte, Männer andere Ernährungsgewohnheiten als Frauen, Ältere andere als Kinder. In sozial besser gestellten Familien wird auf aufwändig zubereitete oder ausgefallene Nahrung Wert gelegt. Ist das Haushaltseinkommen knapp bemessen, so sollte die Nahrung günstig sein (gutes Preis-Mengen-Verhältnis), lange haltbar, hohe Nährstoffdichte aufweisen etc. Doch wegen des schichtspezifischen Habitus (siehe oben) ist bei sozial Benachteiligten der Fast-Food-Konsum zumeist hoch - auch wenn dies besonders kostspielig ist.

„Ein Schlüssel dazu liegt auch in der sozialen Funktion des Essens. Wo es gelingt, die Nahrungsaufnahme als rituelles soziales Ereignis zu gestalten, in das die Konsumenten idealtypisch bereits in der Erstellung aktiv eingebunden sind, wird die wesentliche Hürde hin zu einem bewussteren und gesünderen Essen genommen.“

Raimund Geene 2007, S. 2

Wenn das Haushaltseinkommen knapp wird, dann ist Essen einer der ersten Posten, an denen gespart wird. Dort, wo es an den Kenntnissen und Fertigkeiten fehlt, um aus kostengünstigen Produkten eine gesunde Mahlzeit zuzubereiten, droht dann Fehlernährung. Werden Belastungen und Stress mit Essen kompensiert, fehlt ausreichende Bewegung im Alltag, so ist Übergewicht die Konsequenz.

Lebensstil, Einkommen, soziale Bedingungen müssen berücksichtigt werden, wenn Wege zu einem gesünderen Ernährungsverhalten gefunden werden sollen. Wichtig ist zudem, dass Mahlzeiten nicht nur unter dem Aspekt der Nahrungsaufnahme gesehen werden. Sie haben eine soziale Funktion. Die Bedingungen, wie Mahlzeiten eingenommen werden, beeinflussen in hohem Maß Gesundheit und Wohlbefinden (KinderErnährung in Baden-Württemberg 2002, S. 9). Gemeinsame Mahlzeiten in den Familien bildet soziale Gemeinschaft. Wenn die Familie abends zusammen isst, wird das Gefühl von Zugehörigkeit gestärkt und es gibt Gelegenheit zur Kommunikation.

Auf den folgenden Seiten stellen wir Strategien und Projekte vor, die solche Prozesse anstoßen und die Entwicklung eines gesunden Ernährungsstils unterstützen.

„Familien, die lange Zeit in Armut leben, schneiden im Vergleich zu jenen in kurzzeitiger Armut hinsichtlich der Einseitigkeit in der Auswahl und des zu hohen Fettgehalts der Nahrung noch deutlich schlechter ab.“

Ines Heindl 2007

Gesund von Anfang an

Die Grundlagen der Gesundheit werden in der frühen Kindheit geschaffen. Jedes sechste Kind in Deutschland ist von Einkommensarmut betroffen. Das hat auch gesundheitliche und soziale Folgen, wie zum Beispiel Defizite in der Motorik, bei der Sprachentwicklung, der Zahngesundheit und beim Ernährungsverhalten. Wer unter schwierigen, mangelhaften Bedingungen aufwächst, hat ein erhöhtes Risiko einer lebenslang schlechteren Gesundheit.

Elternschaft bedeutet heute häufig auch Unsicherheit. Mit der neuen Rolle fühlen Mütter und Väter sich oft überfordert. Familiäre Netze, die früher Sicherheit und Bestätigung gegeben haben, fehlen häufig. Wo Eltern und Großeltern ihre Erfahrungen weitergegeben haben, braucht es heute Selbsthilfe und Zugang zu unterstützenden Netzen. Die Quellen müssen erst gefunden werden, um Hilfe bei Fragen zur kindlichen Entwicklung, bei Problemen mit dem Stillen etc. zu bekommen. Das ist vor allem für bildungsferne Bevölkerungsschichten eine Hürde.

Sozial benachteiligte Familien nutzen seltener Versorgungsangebote und Beratungsstellen und sind so in besonderem Maß auf niedrigschwellige Angebote angewiesen. Diese Einrichtungen müssen sich durch gute Qualität, also ein bedarfsgerechtes Angebot, auszeichnen, da sonst die Zielgruppe nicht erreicht wird. Es droht, dass fehlende Bewältigungsressourcen der Eltern und mangelndes Wissen über Hilfesysteme sich negativ auf das gesamte Familiensystem und somit auf die Entwicklung der Kinder auswirken.

Prof. Dr. Meinrad Armbruster (Professor für pädagogische Psychologie an der Hochschule Magdeburg), der das Konzept Eltern-AG entwickelt hat, beschreibt das Problem wie folgt: „Um weniger mit ihrer unbefriedigenden persönlichen Situation im Alltag konfrontiert zu sein, bilden marginalisierte Eltern unbewusst Vermeidungsstrategien und Vermeidungsziele aus, welche ihnen zwar kurzfristig Erleichterung schaffen, sich jedoch unwillentlich zu stabilen destruktiven und häufig feindseligen Mustern verfestigen. Diese ungünstigen Verhaltensgewohnheiten machen es ihnen schwer, gleich bleibend zuverlässig, liebevoll, nährend und schützend mit ihren Säuglingen und Kleinkindern umzugehen. Das Vermeidungsverhalten wird zum alltäglichen Umgangsstil gegenüber den Kindern. Diese Muster kosten unverhältnismäßig viel psychische Energie und Aufmerksamkeit und stehen der Befriedigung der Bedürfnisse nach emotionaler Zuwendung, Bindung, Sicherheit und Wertschätzung im Weg“ (Armbruster 2008, S. 150).

Erfolgreiche Strategien, um Kindern ein gesundes Aufwachsen zu ermöglichen, setzen daher auf Befähigung der Eltern durch Stärkung ihrer Elternkompetenz. Entsprechende Interventionen sollten bereits während der Schwangerschaft beginnen, um die Gesundheitschancen von sozial benachteiligten Kindern zu erhöhen. Ziele sind die Förderung, Aktivierung und Befähigung der Familien und deren soziale Verankerung im Stadtteil. Und es werden Impulse für die bedarfsgerechte Gestaltung von Angeboten und die Veränderung des Quartiers gegeben. Das Thema gesunde Ernährung ist dabei eines von vielen, für die Eltern wichtigen Themen.

„…die im Sinne von Public Health schwerwiegendste Erkenntnis (ist) die, dass Kinder aus sozial benachteiligten Familien nicht nur in einzelnen Bereichen von Gesundheit und Lebensqualität benachteiligt sind, sondern in durchweg allen. Hier findet man eine Häufung von Risikofaktoren, eine Häufung von Unfällen, eine schlechtere gesundheitliche Versorgung und häufiger psychische Auffälligkeiten. Damit gibt es eindeutig zu definierende Risikogruppen bei den Kindern und Jugendlichen, die eine Förderung insgesamt benötigen, nicht nur in gesundheitlichen Bereichen, sondern auch auf dem Gebiet von Bildung, Sport, Freizeitangeboten, schulischer Verpflegung und vielem Anderen mehr.“

Bärbel-Maria Kurth 2007, S. 542

Niedrigschwellige Gesundheitsförderungsangebote für junge Familien:

Familienprojekt ADEBAR, Hamburg

wendet sich an Familien mit Kindern im Alter von null bis zu zehn Jahren, die in den sozial benachteiligten Stadtteilen St. Pauli-Süd und Altona-Altstadt in Hamburg leben. Es bietet den Familien niedrigschwellige Unterstützung durch Angebote der familiären Krisenhilfe, des Familiencafés, der Hebammenhilfe und der Stadtteilentwicklung an. Die Angebote des Projekts setzen an den Lebenswelten der Betroffenen an mit dem Ziel, die Familien in das bestehende Hilfesystem zu integrieren und ihnen, wenn nötig, individuelle Unterstützung zu geben.

Stadtteilmütter, u.a. in Berlin

Eine Stadtteilmutter wird in einem Kurs, der über sechs Monate läuft, ausgebildet. Dort lernt sie die unterschiedlichen Themenpunkte ihrer späteren Arbeit kennen: allgemeine Erziehung, Medienerziehung, Sexualerziehung, Einführung in das Schulsystem, Ernährung und vieles mehr. Insgesamt zehn Themenkomplexe beinhaltet die Vorbereitung. Nach erfolgreichem Abschluss des Kurses besucht eine Stadtteilmutter dann gezielt Familien - zehn Besuche, in denen sie sich mit den Müttern (und Vätern) unterhält.

www.reuter-quartier.de/Was-ist-denn-eineStadtteilmutter.1170.0.html

verschiedene Früchte

© pixelio.de, Silvia Verena Michel

Kinder- und Familienzentrum (KiFaZ) Barmbek-Süd, Hamburg

Zum Teil kommen Eltern in das Kinder- und Familienzentrum, weil sie davon gehört oder gelesen haben (z.B. über Broschüren, die bei den Hausärztinnen und Hausärzten ausliegen) und nutzen die offenen Angebote, wie z.B. das Eltern-Kind-Frühstück, den Mittagstisch oder die Beratungsmöglichkeiten. Teilweise wird der Bedarf über die Kooperationspartner aus dem Bereich Frühe Hilfen, Familienbildung oder Jugendarbeit vermittelt. Auch mit dem Allgemeinen Sozialen Dienst gibt es eine Zusammenarbeit. Die im Zentrum tätigen Familienhebammen arbeiten mit einem Netzwerk freiberuflicher Hebammen zusammen, die z.T. selbst Migrationshintergrund besitzen, so dass die Verständigung in den meisten Fällen gewährleistet werden kann.

Familienhebammen, Magdeburg

Das Projekt „Familienhebammen“ wendet sich an werdende Mütter und Väter, die sich in schwierigen sozialen Lagen wie Arbeitslosigkeit oder Armut befinden, alleinerziehend sind oder aus anderen Gründen Unterstützung benötigen. Das aufsuchende Angebot erleichtert den Zugang zu dieser Zielgruppe. Dabei werden Hebammen eingesetzt, die eine modularisierte, praxisreflektierende Weiterbildung absolviert haben und zum Tragen des Titels „Familienhebamme“ berechtigt sind. Sie leisten neben der eigentlichen Hebammenarbeit auch spezielle Betreuung und Beratung dieser Familien, bis das Kind ein Jahr alt ist. Die Betreuung durch die Familienhebammen umfasst bis zu zehn Wochenstunden pro Familie. Durch die aktive Einbeziehung von Eltern und Kindern soll die eigene Kompetenz zur Förderung der Gesundheit gestärkt werden. Die Familienhebamme nimmt in ihrer Tätigkeit auch die Funktion einer Lotsin wahr, die je nach Bedarf mit anderen Akteuren in Kontakt tritt bzw. die Familie an diese verweist.

Präventionsprogramm „Eltern-AG“

stärkt die Erziehungskompetenzen sozial benachteiligter Eltern, die sich den üblichen Beratungs- und Jugendhilfeangeboten verschließen. Es richtet sich an Eltern mit Kindern in der Altersspanne von der Geburt bis zum siebten Lebensjahr. „Eltern-AG“ ist ein in Deutschland neu entwickelter Empowerment-Ansatz mit den Kernelementen Wissen, Stressmanagement und soziales Lernen mit den besonderen Merkmalen Niedrigschwelligkeit, Randgruppenbezug und Vorbeugung. Ziele sind die Verbesserung der sozialen und pädagogischen elterlichen Fertigkeiten, Förderung der emotionalen, kognitiven und sozialen Entwicklung der Kinder während der ersten sieben Lebensjahre, die Verminderung von schichtspezifischen Risikofaktoren sowie die Anregung nachbarschaftlicher Elternnetzwerke. „Eltern-AGs“ sind stadtteilbezogen bzw. wohnortnah.

Weitere Informationen zu diesen Projekten, wenn nicht anders angegeben, in der Angebotsdatenbank auf www.gesundheitliche-chancengleichheit.de

Gesunde Ernährungsgewohnheiten in Familien

Ein gesunder Lebensstil wird maßgeblich in den Familien geprägt. Gerade die ersten Lebensjahre eines Kindes entscheiden über Vorlieben und Abneigungen sowie erlernte günstige und ungünstige Gewohnheiten, die in den Familien vorherrschen. Säuglinge und Kleinkinder lernen Essen vorrangig durch Beobachtung, Vertrautheit (das, was man kennt) und Vorbilder (wie ernähren sich die Eltern und übrigen Familienmitglieder). Auch das Risiko, übergewichtig bzw. adipös zu werden und zu bleiben, entscheidet sich schon früh im Leben eines Kindes. Warschburger et al. (1999) formulieren drei hierfür kritische Zeitpunkte im Leben der Heranwachsenden:

  1. das erste Lebensjahr mit Einführung der Beikost,
  2. der Übergang von Kindertagesstätte zu Schule,
  3. die Pubertät.


Ernährung ist deshalb ein wichtiger und sensibler Teil der Erziehung - von Anfang an. Gesunde Ernährungsgewohnheiten sind abhängig vom Lebensstil und Vorbild der Eltern bzw. primären Bezugspersonen, zeitlichen und finanziellen Ressourcen, erworbenen Kompetenzen und Fertigkeiten in Bezug auf Auswahl und Zubereitung von Nahrung, aber auch abhängig von den Erziehungskompetenzen der Eltern und Bezugspersonen.

Eine ungünstige Ernährungsweise in sozial benachteiligten Familien kann durch Information, Erwerb von bestimmten Fertigkeiten und Veränderung von Alltagsgewohnheiten zum besseren verändert werden.

Voraussetzung dafür ist, dass

  • sich Angebote und Maßnahmen am Alltag und an den vorhandenen Ressourcen (Zeit, Geld, Kompetenzen und Fertigkeiten) der Familien orientieren,
  • niedrigschwellige Zugangswege zu den Betroffenen genutzt werden,
  • Anbieter von Unterstützungsangeboten und Maßnahmen sich mit den Lebenswelten, mit der Bedeutung sozialer Schichtenzugehörigkeit in Bezug auf Ernährungs- und Lebensstil, mit kulturellen Aspekten der Ernährung und Traditionen auseinandersetzen, und vor allem, dass
  • die Betroffenen aktiv in die Umsetzung von Unterstützungsangeboten einbezogen werden, um damit eine höhere Akzeptanz und höhere Motivation zu erreichen, das Erlernte und Erfahrene in den eigenen Alltag umzusetzen, und dass
  • Veränderungen zu Erfolgserlebnissen führen, statt Verzicht und Frust zu bedeuten.

Veränderungen von Lebensstil und Alltagsgewohnheiten betreffen das ganze System Familie und geschehen deshalb nur langsam und schrittweise. Unterstützung sollte deshalb so konkret und so nah am Alltag der Familie sein, wie nur möglich. Bewährt haben sich Angebote, die Schlüsselpersonen, sogenannte „key persons“ in den Communities ansprechen und mit dem Effekt des Schneeballsystems oder des Systems der Multiplikatorinnen und Multiplikatoren arbeiten. D.h., wenn engagierte und sozial akzeptierte Familienmütter oder -väter hin zu einer gesünderen Lebensweise motiviert werden, stehen die Chancen nicht schlecht, dass die eigene Familie sowie Verwandte, Freunde und Nachbarschaft davon profitieren und erste Veränderungen in den Familien stattfinden. Im Vorfeld ist es wichtig, Zugangswege zu schaffen und Zugangsbarrieren abzubauen. Beispiele für geeignete Zugangswege zu sozial benachteiligten Familien, um das Thema Gesunde Ernährung zu platzieren, sind:

  • Elternabende oder Elterncafés in Kindertagesstätte und Schule,
  • formelle und informelle Treffpunkte für Familien,
  • Stadtteilzentren, Sozialberatungsstellen, Quartiersmanagements, Moscheen etc.,
  • Kinder- und Jugendarztpraxen,
  • Qualifizierungs- und Beratungsangebote für sozial Benachteiligte, in denen die Themen Gesundheit und Ernährung eingebaut werden (siehe Tipp),
  • qualifizierte Multiplikatorinnen und Multiplikatoren aus den eigenen Communities sowie
  • Angebote mit attraktiven thematischen Aufhängern, die an den Kompetenzen und Interessen sozial benachteiligter Familien anknüpfen (z.B. gemeinsames Kochen oder Frühstück, Baby- und Kinderspielgruppen etc.)
zwei Frauen bei der Essenvorbreitung

© Gesundheit Berlin-Brandenburg

Gesund essen mit Freude, Berlin

Mit zum Teil unterschiedlichen Motiven kamen die Frauen in den Kurs. Die türkischen Mütter hatten allgemein viel Freude am Kochen und genossen das auch in der Gruppe. Zu Hause kochen sie zumeist nach traditionellen Rezepten. Frauen aus Pakistan hatten das Gefühl, dass ihren Kindern die traditionellen Gerichte aus dem Heimatland nicht mehr gut genug waren, und sie wollten neue Rezepte kennen lernen, die bei den Kindern gut ankommen. Bei deutschen Frauen war es zum Teil das Interesse, überhaupt kochen zu lernen.

Weitere Informationen zu diesem Projekt unter www.gesundheitliche-chancengleichheit.de

Ausrufezeichen

In der Arbeit mit Migrantinnen und Migranten lässt sich das Thema Gesundheit auch mit Deutschkursen z.B. an Volkshochschulen verbinden.

Der BKK Bundesverband hat dafür eine Praxishilfe „Gesundheitsthemen in Integrations- und Sprachkursen“ entwickelt, die im Internet unter www.bkk.de herunter geladen werden kann.

Aus praktischer Erfahrung in der Arbeit mit sozial benachteiligten Familien lassen sich folgende Zugangsbarrieren identifizieren, die berücksichtigt und abgebaut werden müssen:

  • Das Thema „Gesunde Ernährungsweise“ erreicht die Zielgruppe oft nicht, da Informationen und Angebote sich häufig immer noch an der deutschstämmigen Mittelschicht orientieren.
  • Deutschkenntnisse: Für die Arbeit mit Migrantinnen und Migranten ist es nicht unbedingt erforderlich, Angebote mit hohem Partizipationsgrad in den jeweiligen Muttersprachen zu konzipieren. Wohl aber wird die Möglichkeit, sich in seiner Muttersprache ausdrücken zu können, von vielen geschätzt. Kenntnisse der kulturellen Aspekte sollte der Anbieter allerdings mitbringen bzw. Aufgeschlossenheit dafür.
  • Die Zugänge sind nicht niedrigschwellig genug. Hier kann die Arbeit mit Multiplikatorinnen und Multiplikatoren wertvoll sein (z.B. Stadtteilmütter).
  • Angebote, die mit Geld und hohem zeitlichen Aufwand verbunden sind.

Das Thema „Ernährung und Essen“ ist in den Familien eng verbunden mit Erziehungsfragen. Für die Eltern geht es dabei um Themen wie Regeln durchsetzen, Belohnungen, Grenzen und Anerkennung. Das gemeinsame Gespräch gibt hier die Möglichkeit, tragfähige Strategien für zu Hause zu entwickeln, um dann gesünderes Verhalten auch im Alltag durchzusetzen.

MIGES Migration und Gesundheit, Ludwigsburg

Im Projekt MIgrantinnenGESundheit (MIGES) arbeitet das Kreisgesundheitsamt Ludwigsburg mit dem Frauenseminar des Projekts Idel (Integration durch Elternbildung Ludwigsburg) und dem Internationalen Frauencafé (Integrationskurs) des Vereins Frauen für Frauen e.V. zusammen. Das Projekt ist im Ludwigsburger Stadtteil Eglosheim angesiedelt, einem Gebiet mit besonderem Entwicklungsbedarf, das am Programm Soziale Stadt teilnimmt. Das Projekt wendet sich vor allem an türkische Frauen. Ziel ist es, ihnen Wissen und Kompetenzen zu vermitteln, um ihre gesundheitliche Situation und die ihrer Familie zu verbessern sowie ein eigenverantwortliches gesundheitsförderliches Verhalten zu entwickeln. Seit 2001 finden jährlich acht Workshops mit kreativ- und erlebnisorientiertem Ansatz statt. Neben Gesprächsrunden und Kurzvorträgen werden Rollenspiele und Spielstationen eingesetzt.

Durch die Aktivitäten von Idel gelingt es, Selbstvertrauen und Eigenverantwortung der Teilnehmerinnen zu stärken. Das neu erworbene Wissen wird von den Frauen weiterverbreitet. Sie berichten, dass sie sich bei manchen Themen wie Expertinnen vorkommen und ihren Freundinnen, Kindern und Männern Wissen weitergeben können, über das diese bisher nicht verfügten. Auch die Kommunikation mit Ärztinnen und Ärzten wird erleichtert, Hemmschwellen gegenüber Behörden wie dem Gesundheitsamt und deren Angeboten werden abgebaut. Darüber hinaus konnte bei den teilnehmenden Frauen eine Verbesserung des Impfstatus sowie eine dauerhafte Gewichtsreduzierung durch verbesserte Ernährungsgewohnheiten erreicht werden. Weitere Informationen zum Projekt MIGES in der Datenbank www.gesundheitlichechancengleichheit.de

Neben dem Erwerb der technischen Fertigkeiten, um eine gesunde und schmackhafte Mahlzeit zuzubereiten, müssen auch die entsprechenden Informationen verfügbar sein.

Botschaften aus der Werbung sorgen hier eher für Fehlinformationen. So erklärt eine Mutter, angesprochen auf den Fruchtsaft, den das Kind trinkt „Ist doch gesund, ist 100 % Bio“. Tatsächlich müssen Kinder viel trinken. Zuckerhaltige Limonaden und Fruchtsäfte sollten dabei aber nur selten getrunken werden. Gesünder wäre es, den Saft zur Hälfte mit Wasser zu verdünnen. Eine eindeutige Kennzeichnung von Lebensmitteln würde helfen, so manches Missverständnis zu vermeiden.

Ausführliche Informationen zum Thema Lebensmittelkennzeichnung:

Dokumentation einer Tagung der Friedrich-Ebert Stiftung: Etiketten(schwindel)?
Kennzeichnung und irreführende Werbung bei Lebensmitteln: library.fes.de/pdf-files/wiso/05041.pdf

Gesunde Ernährung von Kindern und Jugendlichen

  • Kindertagesstätte

Charakteristisch für die Altersgruppe der Kindertagesstätten-Kinder:

  • die Vorbildfunktion von Familie und Erzieherinnen und Erziehern sowie die Gruppendynamik von Kindertagesstätten- Gruppen
  • wichtiges Zeitfenster für Prägung: Verankerung von gesundem Lebensstil und gesunder Ernährung
  • Chancen: sehr gute Erreichbarkeit von Eltern, motivierte Eltern (besonders am Anfang), Team der Erzieherinnen und Erzieher: oft motivierter als Lehrende in Schulen, Veränderungen lassen sich unkomplizierter umsetzen, kurzer Draht zwischen Eltern und Erzieher/innen
  • Kooperation zwischen Kindertagesstätten und Stadtteil: Zusammenarbeit mit Einrichtungen, Geschäften, etc., Kindertagesstätten als Mitglied Runder Tische, des Quartiersrates o.ä.
  • Umsetzung von Qualitätszielen bezüglich der Ernährung in der Kindertagesstätte: z.B. Regelungen zum gemeinsamen Frühstück und Mittagessen, angebotene Getränke, Umgang mit Süßigkeiten (Geburtstage, Ausflüge etc.)

In Kindertagesstätten kann das Thema gesunde Ernährung ebenso wie Bewegung und Entspannung bereits in den täglichen Ablauf integriert werden. Routinen der Zubereitung und Einnahme von Mahlzeiten, des Zähneputzens etc. werden erlernt und können das Ernährungsverhalten positiv beeinflussen. Dabei ist es besonders wichtig, dass die Eltern bei diesen Angeboten in die Entwicklung und Durchführung einbezogen werden, z.B. durch Elternabende zum Thema Ernährung.

Auch wichtig ist die Fortbildung von Erzieherinnen, Erziehern, Köchinnen und Köchen bzw. Caterinnen und Caterern zum Thema Kinderernährung, insbesondere ernährungsbedingte Krankheiten, Allergien, Bedarfe und Ernährungsverhalten, Sinnesschulung von Kindern (z.B. die Gesund-Essen-Aktion für Kindertagesstätten „Fitkid“, www.fitkid-aktion.de).

kleine Kinder, die am Tisch sitzen und mit in einer Hand Obst hoch halten

© fotolia.de, Monika Adamczyk

„Lernen durch Genießen - Gesunde Ernährung aus Sehpferdchens Küche“, Hamburg

Die Kindertagesstätte „Sehpferdchen“ hat das Konzept „Lernen durch Genießen“ entwickelt und arbeitet nach dem Setting-Ansatz: Gesundes Essen wird mit den und für die Kinder zubereitet; Kochkurse und Veranstaltungsreihen geben den Eltern sowohl ernährungsphysiologisches Wissen als auch die Möglichkeit, praktische Erfahrungen auf niedrigschwelliger Ebene zu erproben. Die Mitarbeit im Arbeitskreis „Gesundes Heimfeld“ ermöglicht der Kindertagesstätte, ihre Angebote lebensweltorientiert auszurichten. Gesunde Ernährung ist als übergreifendes Konzept in der Kindertagesstätte verankert, dient aber auch als Medium, um die Kompetenzen der Kinder in den Bereichen Sprache, Sozial- und Konfliktverhalten zu fördern sowie die Eigenverantwortung der Eltern zu unterstützen. Erfolge sind beispielsweise bei den Kindern im Sprachverhalten erkennbar. Das Benennen einzelner Obst- und Gemüsesorten und das eigenständige Durchführen von Vorbereitungstätigkeiten wie Schälen, Schneiden und Raspeln haben bei den Kindern den Wortschatz erweitert. Gemeinsames Arbeiten in der Küche verlangt von den Kindern, dass sie Absprachen (zum Beispiel bezüglich der Gerätenutzung) durchführen und einhalten; das Sozial- und Konfliktverhalten der Kinder hat sich deutlich verbessert. Einige Eltern interessierten sich für die Rezepte und kochten sie zu Hause mit ihren Kindern nach.

Es gibt Einladungen zu Veranstaltungen in deutsch und türkisch (Hauptteil der Familien mit türkischem Hintergrund) und während der meisten Veranstaltungen wird übersetzt. Die Eltern kommen, weil sie ihre Kinder mitbringen können und Kinderbetreuung sonst eher ein Problem ist. Gleichzeitig wird während der Veranstaltungen das Abendessen der Kinder (teilweise auch der Eltern) abgedeckt.

Weitere Informationen zu diesem Projekt unter: www.gesundheitliche-chancengleichheit.de

  • Schule

In der Schule sollte an den bereits erlernten Verhaltensweisen aus der Kindertagesstätte angeknüpft werden. Auch hier gilt, dass Kinder mit Kopf, Herz und Hand erreicht werden müssen. Das Thema Gesunde Ernährung eignet sich hervorragend, um in den Unterricht und sogar fachübergreifend eingebunden zu werden. Ernährung kann Thema für die Fächer Biologie, Chemie, Physik, Mathematik, Deutsch, Kunst, Erdkunde u.v.a. sein. Ein Direktor einer Berliner Grundschule formuliert diesen Ansatz so: „Nehmen wir das Beispiel Obst: einen Apfel. In Biologie lernen wir wie der Apfel wächst, in Chemie können wir seine Zusammensetzung analysieren, in Mathematik lassen sich anhand der Apfelkerne Additions-, Subtraktions- und Multiplikationsaufgaben vermitteln, in Deutsch schreiben wir einen Aufsatz über den Apfel, in Kunst gestalten wir Bilder oder Skulpturen, usw.“. Natürlich sind der Themenvielfalt und der Komplexität des Themas je nach Klasse und Schulform keine Grenzen gesetzt. Daneben lassen sich in den Schulen Projekttage und Arbeitsgruppen (z.B. Koch-AG) organisieren. In der Arbeit mit Eltern können Elternabende oder andere Angebote für Eltern zum Thema Gesunde Ernährung durchgeführt werden. Hier kann z.B. mit externen Partnern und dem Stadtteil oder aber engagierten Eltern der Schülerschaft kooperiert werden.

Auch die Initiierung von schüler- oder elternbetriebenen Schulkiosken mit gesunden Pausensnacks und die gesunde Schulverpflegung in den Kantinen gehört zu den Strukturen, die eine gesunde Ernährung der Schülerinnen, Schüler und dem Lehrpersonal sicher stellen.

Besonders für Kinder aus sozial benachteiligten Familien ist eine regelmäßige warme Mahlzeit wichtig, die im Rahmen der Schulverpflegung kostengünstig angeboten werden sollte. Zur Verbesserung der Schulverpflegung hat die Deutsche Gesellschaft für Ernährung Qualitätsstandards entwickelt. Um die bundesweite Implementierung sicherzustellen, werden im Rahmen des Nationalen Aktionsplans Ernährung und Bewegung IN FORM in allen 16 Bundesländern „Serviceagenturen Schulverpflegung“ eingerichtet.

Viele Schulen sind dazu übergegangen, sich externe Partner für die Umsetzung von Arbeitsgruppen und Projekten zu suchen. Als Beispiel kann die Sarah-Wiener-Stiftung (www.sarah-wiener-stiftung.org) genannt werden, die das Thema Gesunde Ernährung für Kinder und Jugendliche in Kindertagesstätten und Schulen greifbar und erfahrbar macht. Für Schulen existieren bereits eine Reihe von Informations- und Unterrichtsmaterialien, sowie konkrete Angebote und Fortbildungen für Lehrerinnen und Lehrer zum Thema Gesundes Ernährungsverhalten. Weitere Informationen darüber finden Sie unter den Links am Ende des Kapitels.

Der aid - Ernährungsführerschein

ist ein Unterrichtskonzept für dritte Klassen. In 6 bis 7 Doppelstunden steht der praktische Umgang mit Lebensmitteln und Küchengeräten im Mittelpunkt. Den Abschluss bildet eine Prüfung: die Kinder bewirten ihre Gäste mit einem kalten Büfett.

Schulen können beim aid infodienst ein Medienpaket bestellen, welches von Klasse zu Klasse weitergegeben werden kann. Weitere Informationen über den Ernährungsführerschein unter: www.aid.de/ernaehrung/ernaehrungsfuehrerschein.php

Vernetzungsstelle Schulverpflegung Berlin

Um alle „mit ins Boot zu nehmen“, organisiert die Vernetzungsstelle die Kommunikation der Akteure miteinander und vermittelt ihnen Kompetenzen zur Mitsprache bei Organisation und Qualitätsbewertung von Schulessen. Dazu werden u. a. Informationsveranstaltungen zu zeitgemäßer Kinderernährung in Schule und Familie, zu Partizipation bei der Auswahl des Essenanbieters durchgeführt oder Unterstützung beim Aufbau von schulinternen Küchenkommissionen gegeben.

www.vernetzungsstelle-berlin.de

IIm Bezug auf jugendliches Essverhalten sind nicht nur die unterschiedlichen Milieus zu beachten, sondern auch die jeweilige Entwicklungsphase, in der sich Jugendliche befinden. Ihr Bedürfnis nach Kompetenz, Autonomie und sozialer Zugehörigkeit kommt auch in ihren Ernährungsgewohnheiten zum Ausdruck. Die Weigerung, morgens zu frühstücken, kann sowohl auf Appetitlosigkeit als auch auf Abgrenzungsbestrebungen beruhen. Empfohlen wird Lehrkräften, „Botschaften über Lebensstile anhand von ausgewählten Nahrungsmittelprodukten und Essweisen im Unterricht zu thematisieren, denn dies kommt dem jugendlichen Bedürfnis nach einer sozialen Positionierung in der Peergroup als Teil der Gesellschaft näher, nimmt Jugendliche auch als Lernpartner bzw. -partnerinnen ernst und wäre daher einem reflektierten Umgang ihres Ernährungsverhaltens förderlich.“ (Bartsch 2008, S. 171)

Angebote für Jugendliche sollten Spaß machen und in den für sie wichtigen Lebensbereichen (Freizeit, Schule, Sportverein etc.) angesiedelt sein. Ziel sollte sein, ihr Handlungsspektrum zu erweitern und einer Verengung auf einseitige Ernährungsweisen entgegenzuwirken. Die gemeinsamen Aktivitäten in der Bezugsgruppe haben dabei für Jugendliche einen besonders hohen Stellenwert. Die Daten aus dem Kinder- und Jugendgesundheitssurvey KiGGS und dem Band „Erkennen - Bewerten - Handeln“ des Robert Koch-Institutes und der BZgA (2008) belegen, dass sich Jungen tendenziell unausgewogener ernähren als Mädchen. Entsprechende Interventionen sind daher bei Jungen besonders wichtig. Sie müssen jedoch auch ihren Bedürfnissen Rechnung tragen.

„Pauschale Ablehnung von Ernährungsgewohnheiten Jugendlicher wie Fast-Food- Verzehr oder „Snacking“ ignoriert die reale Esswelt fast aller Altersgruppen, die unterschiedlichen Bedeutungen in den jeweiligen Kontexten (bei gemeinsamen Fast-Food-Verzehr geht es eben nicht um Gesundheit) und die Motivationen von Jugendlichen (Abgrenzung, Unabhängigkeit, zeitliche Flexibilität).“

Silke Bartsch 2008, S. 169

„Selbst is(s)t der Mann!“

Das Modellprojekt des Zentrums für angewandte Gesundheitswissenschaften in Lüneburg wurde von 20002003 in Niedersachsen und Hamburg durchgeführt. Es richtete sich an männliche sozial benachteiligte Jugendliche. Sie wurden über Einrichtungen der offenen Jugendarbeit angesprochen und für Kochaktivitäten gewonnen. Das Interesse, etwas zu lernen, stand bei den Jugendlichen eher im Hintergrund. Es geschah eher nebenbei, im gemeinsamen Handeln. Anknüpfungspunkt in den Einrichtungen war ein niedrigschwelliges Angebot, ansetzend an den Bedürfnissen der Jugendlichen. Für das gemeinsame Kochen war es vorerst nebensächlich, ob es sich um vollwertige, biologisch vertretbare oder ausgewogene Lebensmittel handelte. Die Akzeptanz des Angebots entscheidet sich u.a. über den Geschmack des Essens. Gefördert wurde die Beteiligung der Jugendlichen an allen Arbeitsschritten bei der Zubereitung der Mahlzeiten (Planung, Einkauf, bis hin zum Abwasch). Dies geschah selten reibungslos. In allen Einrichtungen wurde das gemeinsame Zubereiten einer Mahlzeit als neue Möglichkeit angesehen, ganz lebenspraktische Kenntnisse und Erfahrungen zu vermitteln.

Für die Jugendlichen steht das Problem der Versorgung mit einer warmen Mahlzeit nicht im Vordergrund. Andere Problemlagen, und diese sind nicht selten zahlreich, beschäftigen den einzelnen Jugendlichen mehr. Aber immerhin gab etwas mehr als die Hälfte an, mitzukochen, damit sie etwas zu essen haben. In den Einrichtungen hatte es zum Teil vor Projektbeginn keine gesundheits- oder ernährungsbezogenen Angebote gegeben. Bei entsprechenden personellen Voraussetzungen in den Einrichtungen, insbesondere pädagogischem Personal, kann so das Angebot, zu kochen, einen zentralen Stellenwert einnehmen. Sie müssen jedoch auch ihren Bedürfnissen Rechnung tragen. Diese Studien zeigen sowohl den Handlungsbedarf als auch Handlungsempfehlungen auf.

Hilke Bruns, Beitrag auf dem 7. Kongress Armut und Gesundheit, Berlin 2001, www.gesundheitberlin.de

Ausrufezeichen

Unter dem Motto „Jugend is(s)t aufgeklärt“ gibt es auf der interaktiven Internetseite
www.talking-food.de
Informationen, Anregungen und Aktionen rund um Lebensmittelsicherheit, gesunde Ernährung und Verbraucherschutz. Die vom aid infodienst durchgeführte und begleitete Kampagne richtet sich an Jugendliche von 12 bis 20 Jahren, aber auch an deren Eltern, Lehrerinnen und Lehrer.

Der Stadtteil bildet die Lebenswelt der Bevölkerung - die Problemlagen sind bekannt, aber auch die Ressourcen. Die verschiedenen Einrichtungen (Gesundheit, Bildung, Wirtschaft, Polizei, Soziales und Politik) sind erreichbar, was eine gute Chance für interdisziplinäre Arbeit bedeutet. Vom Quartier ausgehend kann die Bildung von Netzwerken (z.B. Kindertagesstätten-Netzwerk, Schulen etc.), der Aufbau von Strukturen und die Projektbeantragung unterstützt werden.

Maßnahmen zum Thema Gesunde Ernährung sind z.B., die Verbindung herzustellen zwischen Kindertagesstätten, Schulen und Verpflegungssystemen, Geschäften bzw. Sponsoren oder Formulierung von Qualitätskriterien zu formulieren und gesunde Verpflegung konkret umzusetzen. Dazu müssen Angebote für spezielle Zielgruppen geschaffen werden: Kinder, Jugendliche, Familien, Mütter bzw. Väter, Seniorinnen und Senioren. Dies können Aktionen wie z.B. themenbezogene Stadtteilfeste oder Gesundheitstage sein. Nachhaltig wirkt das Einrichten von Institutionen: z.B. ein Stadtteil-Café unter Beteiligung der Bevölkerung, Stadtteil-Frühstücke oder gemeinsame Mittagstafeln, wo Bewohnerinnen und Bewohner selbst kochen. Besonders spannend kann es sein, Gerichte aus verschiedenen Kulturen und Landern zu probieren.

Projekt „Guck in den Topf“, Berlin

Der Förderverein Morus 14 e.V. betreibt in der Rollbergsiedlung in Berlin-Neukölln das Gemeinschaftshaus in der Morusstraße 14. Einmal in der Woche wird dort von Anwohnerinnen und Anwohnern für die Mitbewohnerinnen und Mitbewohner des Wohngebiets ein Mittagessen gekocht. Freiwillige und MAE-Kräfte helfen den Kiezköchinnen und -köchen bei den praktischen Vorbereitungen und Einkäufen. Wöchentlich bis zu 80 Gäste freuen sich auf das abwechslungsreiche Menü aus unterschiedlichen Koch-Kulturen.

Im Rahmen von Betriebspraktika bietet die Schülerfirma „Bakhlava“ der Kielhorn-Schule Jugendlichen der 9. und 10. Klassen die Gelegenheit zur praktischen Betätigung im Berufsfeld Gastronomie bzw. Küche unter Anleitung zweier Lehrkräfte, indem sie bei der wöchentlichen Mietertafel mitwirken. Diese Kooperation steigert die Akzeptanz der Jugendlichen im Kiez und gleichzeitig durchlaufen sie eine sinnvolle Berufsvorbereitung. Weitere Informationen unter www.rollberg-quartier.de

  • Ältere Menschen

    Ein besonderes Augenmerk sollte in der Stadtteilarbeit auf die Ernährung älterer Menschen gelegt werden. Eine ausgewogene Ernährung und körperliche Aktivität auch im Alter trägt dazu bei, Krankheiten zu verhindern bzw. deren Verlauf positiv zu beeinflussen und Alltagskompetenzen zu erhalten, was entscheidend für die Lebensqualität im Alter ist.

    In dieser Altersgruppe tritt aber häufig das Problem von Mangelernährung auf. Gründe dafür können neben individuellen Ursachen (z.B. Beeinträchtigung der Schluck- und Kauleistungen, Appetitmangel und Beeinträchtigung von Geschmacks- und Geruchsempfinden entweder altersbedingt oder durch Medikamente, Schwierigkeiten bei der Zubereitung von Mahlzeiten aufgrund von körperlichen Einschränkungen) auch solche der Infrastruktur im Stadtteil sein, z.B. fehlen Einkaufsmöglichkeiten in der Nähe oder auf dem Weg zum Lebensmittelhändler gibt es zu viele Barrieren.

    Für ältere Menschen ist die soziale Funktion der Mahlzeit besonders wichtig. Gemeinsame Mahlzeiten bringen Abwechslung in den Alltag und sind willkommener Anlass, Bekannte zu treffen. Gelingt es, im Stadtteil Orte für gemeinsame Mahlzeiten zu etablieren, so ist dies ein Weg, um sozialer Isolation zu begegnen:

    In der Begegnungsstätte Adalbertstraße der Arbeiterwohlfahrt in Berlin-Kreuzberg gibt es einen regelmäßigen Mittagstisch. Die Begegnungsstätte wird vor allem von Migranten und Migrantinnen genutzt. Einer der türkischen Besucher suchte im Ruhestand eine Beschäftigung und kocht nun regelmäßig in der Einrichtung. Wer sich anmeldet, entrichtet seinen Obolus und isst mit.

Checkliste: Gesunde Ernährung im Quartier

Die folgenden Fragen sollen helfen, Projekte zum Thema „Gesunde Ernährung“ möglichst zielgruppenorientiert zu planen.

  • Wieweit wurden die generellen und spezifischen Ziele erreicht? (Kriterium: Effektivität)
  • Welche Multiplikatorinnen und Multiplikatoren können gewonnen werden (z.B. Schlüsselpersonen aus der Community)?
  • Wird die Zielgruppe in die Entwicklung und Gestaltung des Projekts einbezogen?
  • Was ist bei der Projektdurchführung besonders zu beachten (Kinderbetreuung, religiöse Feiertage etc.)?
  • Wer muss noch bei der Projektentwicklung eingebunden werden (lokale Akteure, gesetzliche Krankenkassen, Kommune)?
  • Welche anderen Projekte gibt es zu diesem Thema? Ist eine Unterstützung möglich?
  • Auf welchen Ebenen können weitere Anreize für einen gesunden Lebensstil geschaffen werden?
  • Welche Ressourcen gibt es dafür im Quartier und auch außerhalb (regionale Anbieter, Verpflegungsnetzwerke etc.)?
  • Gibt es Runde Tische, Arbeitskreise usw. zu diesem Thema?
  • Wie werden die Erkenntnisse und Ergebnisse des Projekts nachhaltig verankert?

Tipps zum Weiterlesen

[ Tipps zum Weiterlesen finden Sie hier ]

Links zu den Themen Esskulturen fördern und gesund gestalten

[ Links zum Thema finden Sie hier ]


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