Kapitel 3 - Bewegung im Alltag fördern
Das Bewegungsverhalten in unserer Gesellschaft hat sich verändert. Im Alltag fehlen Anreize zur Bewegung. Spiel- und Bewegungsräume in den Städten werden zugunsten des starken Verkehrsaufkommens zurückgedrängt. In sozial benachteiligten Stadtteilen sind die Umgebungsbedingungen oft besonders schlecht. Dies zeigt sich z.B. in erhöhtem Verkehrsaufkommen, Lärm, unzureichenden Spielund Freizeitmöglichkeiten oder vernachlässigten Grünanlagen.
Unter den fehlenden öffentlichen Bewegungsräumen leiden vor allem Kinder, Ältere und andere Menschen, deren Alltag sich vorrangig im näheren Wohnumfeld abspielt. Bereits Kinder verbringen ihren Tag vorrangig mit sitzenden und ruhenden Tätigkeiten, obwohl Kinder entwicklungsbedingt einen spezifischen Bewegungsdrang haben. Öffentlicher Raum, der für Bewegung genutzt werden kann, ist geringer geworden.
Bewegungsräume, Spielplätze usw. fristen, wenn sie vorhanden sind, häufig ein „Inseldasein“ und sind deshalb nur über den Transport durch die Eltern erreichbar (Dordel 1998). Es gibt kaum öffentliche Aufenthaltsbereiche und Freiflächen und das Spielen muss v.A. zu Hause (Verhäuslichung) stattfinden. Die Daten des Kinder- und Jugendgesundheitssurveys KiGGS weisen für Kinder und Jugendliche nach, dass sie sich im Alter zwischen 11 und 17 Jahren nicht ausreichend bewegen. Nur jeder vierte Junge und jedes sechste Mädchen bewegt sich nach der Empfehlung, dass man an den meisten Tagen in der Woche mindestens einmal ins Schwitzen und außer Atem kommt. Am deutlichsten sind die Aktivitätsdefizite bei den Mädchen mit niedrigem Sozialstatus und Migrationshintergrund.
Bei älteren Menschen wird die Tendenz zu fehlender Bewegung noch unterstützt durch unsichere, schlecht beleuchtete Gehwege (Angst vor Kriminalität) und / oder unebene Wege (Angst vor Stürzen). Bewegungsförderung bedeutet also nicht nur die Förderung motorischer Fähigkeiten, sondern v.A. die Schaffung von bewegungsfreundlicheren Räumen. Dabei ist nicht nur das Mehr an Bewegung gesundheitsförderlich. Öffentliche Plätze, die von vielen genutzt werden und an denen sich die Bewohner und Bewohnerinnen gern aufhalten, erhöhen die Attraktivität im Quartier. Sie fördern die Identifikation mit dem eigenen Stadtteil. Bewegungsräume sicher zu gestalten ist außerdem ein Beitrag zur Unfallprävention.
„Nachbarschaftseinrichtungen wie Spielplätze, Parks und offene Flächen haben einen positiven Einfluss auf das Wohlbefinden und die Wohnzufriedenheit. Bewohnerinnen und Bewohner von Wohngebieten mit viel Grünflächen neigen sehr viel seltener zu starkem Übergewicht.“
LARES-Studie 2005
(www.apug.de/leben/wohnen/housing-and-health.htm)
- Kinder und Jugendliche beteiligen - Bewegungsräume schaffen!
Bewegung muss allen ermöglicht werden. Wo eine Vereinsmitgliedschaft wegen der anfallenden Mitgliedsgebühren nicht möglich ist, müssen Unterstützer und Sponsoren gefunden werden. Außerdem muss Sport und Spiel auch in der unmittelbaren Nachbarschaft möglich sein. Dafür sind Projekte, die Spaß an Bewegung vermitteln und Gesundheitsförderung mit einer Strategie der selbstbestimmten Bewegungsorientierung umsetzen, notwendig. „Insbesondere Kinder haben einen spezifischen Bewegungsdrang, der sich an physiologischen und sozialen Anforderungen orientiert. Bewegungsorientierte Programme sollten diese Bedürfnisse alters- und zielgruppenspezifisch aufgreifen.
Wichtige Rahmenbedingungen dafür sind freie Grünflächen, bespielbare Wiesen und Wälder als Räume zu einer sog. „freien Sozialisation“ von Kindern und Jugendlichen, aber auch den Alltag unterstützende Bewegungsmöglichkeiten wie beispielsweise das Fahrradfahren. Bedauerlicherweise kollidiert der Bewegungsdrang laufend mit Verkehrsplanungen, wodurch das Fahrradfahren als wichtige Mobilitätsfunktion von Kindern und Jugendlichen stark eingeschränkt wird.“ (Geene 2007, S.1)
Als bewegungsarme Gruppe wurden im Rahmen von KiGGS v.a. Mädchen identifiziert (Ergebnisse des Kinder- und Jugendgesundheitssurveys KIGGS, 2007). Hier wurde z.B. gezeigt, dass Mädchen seltener als Jungen die Angebote von Sportvereinen nutzen. Besonders stark sind diese Werte bei Mädchen mit Migrationshintergrund. Hier bedarf es besonderer Anstrengungen, um Angebote kultursensibel zu gestalten (Trainerinnen, spezielle Angebote nur für Mädchen etc.).
Nachfolgend wird ein kommunaler Ansatz vorgestellt, der einen ganzheitlichen Ansatz der Bewegungsförderung umsetzt und Kinder und Jugendliche als Expertinnen und Experten einbezieht.
„Dabei muss es nicht immer der Spiel- oder Bolzplatz sein. Aktions- und Bewegungsgelegenheiten, die erreichbar und jederzeit nutzbar sind, kann es auch auf Straßen, Plätzen oder im Sportverein geben. Spielerische Zugänge zu Künsten, Kulturen und anderen Generationen lassen sich auch im Freien verwirklichen!“
Deutsches Kinderhilfswerk
„Spielleitplanung - Ein Weg zur kinderfreundlichen Gemeinde und Stadt“ entstand 1999 als Projekt im Rahmen des Aktionsprogramms „Kinderfreundliches RheinlandPfalz“ unter Mithilfe des Ministeriums für Umwelt und Forsten sowie des Ministeriums für Bildung, Frauen und Jugend. Es wurde zunächst in sieben Modellgemeinden durchgeführt. Die Förderung bezieht sich auf Rheinland-Pfalz. Die entwickelte Handlungsanleitung kann eine Hilfe sein für die Umsetzung ähnlicher Projekte auch in anderen Bundesländern (www.spielleitplanung.de). Spielleitplanung ist eine kommunale Planungsund Entwicklungsaufgabe mit dem Ziel, die kindgerechte Planung zu einem wesentlichen Merkmal von Stadtentwicklung und Kommunalpolitik zu machen. Dabei wird die gesamte Stadt (Quartiere und Stadtteile) und Gemeinde als potenzieller Spiel-, Erlebnis- und Erfahrungsraum gesehen.
Wie funktioniert die Spielleitplanung?
Sie geht systematisch in drei Planstufen vor:
- Bestandserhebung (wird durchgeführt von Kindern und Jugendlichen als Expertinnen und Experten vor Ort gemeinsam mit einer planerischen und einer pädagogischen Fachkraft, die speziell dafür geschult wurden):
- Welche öffentlichen Freiräume gibt es (z.B. Brachen, Siedlungsränder, Baulücken, Grünanlagen, Straßen, Hauseingänge oder Plätze)?
- Wie sind sie beschaffen?
- Welche Plätze finden Kinder und Jugendliche interessant?
- Wo halten sie sich auf?
- Erhebung von Potenzialen
- Ist der Platz langfristig nutzbar zu machen?
- Gibt es Bebauungspläne, die nur eine Zwischenlösung ermöglichen würden?
- Welche Hindernisse gibt es (Altlasten, Sicherheitsaspekte usw.)?
- Was könnte ein Vorteil des Standortes sein (Nähe zur Schule, Anbindung an öffentlichen Nahverkehr, Baumbestand usw.)?
- Entwicklung von Maßnahmen und Vorhaben (auf der Basis der Bestandserhebung und der Ideen der Kinder und Jugendlichen wird der Spielleitplan erstellt)
- Was soll erreicht werden?
- Wie soll es umgesetzt werden?
- Was sind die nächsten Schritte?
Wird der Spielleitplan vom Gemeinderat oder Stadtrat für verbindlich erklärt, beginnt die Umsetzung von Projekten und Maßnahmen, an der wiederum die Kinder und Jugendlichen beteiligt sind.
„Unser Platz - Gender, Partizipation und Gesundheitsförderung im Sport“, Berlin
Wie wurde der Platz ausgesucht?
Eine Brachfläche war als Spiel- und Sportplatz gestaltet worden, bevor aus der Sorge vor Verwahrlosung und Vandalismus heraus der erste pädagogische Träger gesucht wurde (Dissens e.V.).
Wie gelang der Zugang zur Zielgruppe?
Die Mitarbeiter/innen konnten auf die bisherigen Nutzer/innen des nicht betreuten Platzes, überwiegend Jungen, zugehen und ihre Wünsche ermitteln. Anschließend wurden durch Kontakt mit benachbarten Einrichtungen weitere Nutzergruppen erschlossen. Die Zielgruppe (Kinder, Jugendliche und Senioren aus der Nachbarschaft) wurde von Anfang an gefragt, was sie sich für Angebote wünschen. Sie sollen selbst entscheiden, was ihnen wichtig ist und welche Angebote sie gerne aufbauen und nutzen möchten.
Welche Mittel wurden benutzt, um auf den Platz aufmerksam zu machen und zur Teilnahme zu motivieren?
Offensives Werben im Stadtteil; Platzieren von Artikeln in lokalen Zeitungen und Mieterzeitschriften; monatliche Programmaushänge in den umliegenden Wohnblocks; Sportplatzkonferenzen
Weitere Informationen zum Projekt in der Datenbank
www.gesundheitliche-chancengleichheit.de und
www.dissens.de/unserplatz/
Wo findet man Hilfe bei der Schaffung von Spielräumen?
Das Deutsche Kinderhilfswerk (DKHW) unterstützt Schulen, Jugendeinrichtungen, Sportvereine, Nachbarschaftsinitiativen oder Kommunen bei Projekten, die unter der Beteiligung von Kindern bestehende Spielorte verbessern oder neue anregungsreiche Spielräume im Wohnumfeld schaffen. Dies erfolgt im Rahmen folgender Programme:
„Spielraumprojekt des Monats“ | Monatlich werden neue Konzepte, Ansätze und Ideen bei der Schaffung von Spielräumen prämiiert und in einer Datenbank zusammengestellt. Wichtigstes Kriterium: Kinder werden an der Planung und Gestaltung ihres Spielraumes beteiligt. | |
Aktionswochen „Zu Fuß zur Schule“ - in Zusammenarbeit mit dem Verkehrsclub Deutschlands | Der Schulweg soll als Raum für Bewegung, Erfahrung und Kommunikation wiederentdeckt und genutzt werden. Dafür wird Material zur Verfügung gestellt: z.B. eine Checkliste für den sicheren Schulweg oder eine Anleitung zum Fußgängertraining. | |
„Kinderfreundliche Stadtplanung“ |
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Ein Qualitätskriterium für Bewegungsräume ist die Sicherheit. Die Fachdatenbank der BZgA „Prävention von Kinderunfällen“ gibt einen Überblick über bundesweite Aktivitäten, Medien und Maßnahmen. Sie informiert über Behörden, Fachverbände, Vereine etc., die sich mit dem Thema „Kindersicherheit“ beschäftigen und gibt Materialien dazu heraus.
- Mobilität im Alltag
Mobil zu sein hat viele verschiedene Aspekte: sich bewegen können, unabhängig und flexibel sein. Mobiler zu werden, ermöglicht es, den eigenen Aktionskreis zu erweitern. Ganz persönlich kann das bedeuten, dass das soziale Netzwerk wächst - was gleichzeitig die Atmosphäre im Quartier verbessert. Durch eine höhere Mobilität wird es leichter, Einkäufe zu erledigen, Bekannte zu treffen, Angebote wahrzunehmen.
Eines der Ziele von IN FORM ist, dass Bewegung in das alltägliche Leben integriert wird. Um das zu schaffen, muss der bzw. die Einzelne Möglichkeiten, aber auch entsprechende Kenntnisse haben. Beispiele dafür wären Radfahr- und Schwimmkurse.
Gleichzeitig ist eine Umgebung notwendig, in der Mobilität bzw. Bewegung möglich ist (z.B. barrierefreie Fußwege, Radwegnetz, Frauenbadezeiten).
„Mauer bewegt sich!“ - Bewegungsförderung in einer Gemeinde, Heidelberg
Dieses Projekt startete zunächst in Kindergarten und Schule mit dem Ziel zusätzliche Sportund Bewegungszeiten in den Tagesablauf zu integrieren (Bsp. Bewegungspausen im Unterricht, aktive Pausengestaltung). Hinzu kamen Ideen für die Schulweggestaltung und die Durchführung von Mobilitätstagen. Dazu wurde auch die Gemeinde einbezogen, die Organisation dieser Aktionen wurde u.a. mit Hilfe bürgerschaftlichen Engagements sicher gestellt.
Die dauerhafte Einrichtung des „Walking Bus“ („Laufender Schulbus“: gemeinsames Gehen zur Schule, Kinder werden abgeholt) sichert dem Thema auch in der Gemeinde, beim Gemeinderat und in der Öffentlichkeit eine hohe Aufmerksamkeit. Weitere Informationen zu diesem Projekt unter www.gesundheitliche-chancengleichheit.de
Städtebauliche Sicherheitskonzeption Ludwigshafen, Westend
In diesem Soziale Stadt-Projekt wurden durch Bewohner/innenversammlungen, Befragungen (Kinder, Jugendliche, Ältere) und Rundgänge objektive und subjektive Sicherheitsdefizite (z.B. Überquerung von stark befahrenen Straßen, schlecht beleuchtete Unterführungen) im Quartier identifiziert. Als Ergebnis entstand eine Übersichtskarte mit der Lokalisierung der Angsträume und „Schwachstellen“.
Anschließend wurden gemeinsam Lösungsansätze entwickelt.
Weitere Informationen unter www.sozialestadt.de/praxisdatenbank
Unter dem Aspekt von Angsträumen sind von Stadtplanerinnen und Architektinnen gute Anregungen im Haus-, Straßen- und Wegebau entwickelt worden (siehe Tipps zum Weiterlesen).
Partizipation ist nicht nur wichtig, wenn es um die Gestaltung bewegungsförderlicher Angebote für Kinder geht. Auch ältere Menschen sind Experten, wenn es um ihre Bewegung geht, insbesondere wenn Hürden im Alltag identifiziert oder bedarfsgerechte Angebote gestaltet werden sollen. Mit ihrer Unterstützung sollte das Wohnumfeld so gestaltet werden, dass es Bewegungsanreize bietet und Barrieren beseitigt werden (z.B. unebene Fußwege, keine Alternative zur Treppe, kurze Grünphasen usw.) Auch der Sicherheitsaspekt spielt eine wichtige Rolle. Die Angst vor Stürzen und vor Kriminalität (z.B. in schlecht beleuchteten Gegenden etc.) wirkt als Hemmnis.
Radfahren verbessert nicht nur die Gesundheit und Mobilität der Menschen, es entlastet auch die Umwelt und verändert die Atmosphäre im Stadtteil (z.B. weniger Verkehrlärm, andere Planungsprioritäten). Geht es um den Ausbau der Radwege, ist die Unterstützung politischer Entscheidungsträger und Befürwortung bei Verkehrsbehörden, Polizei, Land etc. notwendig.
„Radfahrkurs für Frauen mit Reparaturanleitung. Sehr erfolgreich! Viele Frauen können nicht radfahren. Fahrrad fahren zu können, ist praktisch und verschafft Unabhängigkeit.“
Cordula Breitenfeldt (Treffpunkt Gemeinwesenarbeit Bloherfelde/Eversten in Oldenburg)
Das Göttinger „Doppelzebra“
Durch doppelte Zebrastreifen entstanden dazwischen separate Radverkehrsfurten. Dadurch konnte die Verkehrssicherheit für den Radverkehr an hochfrequentierten Querungsstellen von Radverkehrshauptrouten über Hauptverkehrsstraßen verbessert werden.
Gleichzeitig wurde Konfliktpotenzial zwischen Fußgänger/innen und Radfahrer/innen abgebaut und die Attraktivität für die Radverkehrshauptrouten gesteigert, indem diese Querungsmöglichkeiten für den Radverkehr in nicht signalisierte Fußgängerüberwege eingebunden wurden.
Weitere Informationen unter www.nationaler-radverkehrsplan.de/ praxisbeispiele/anzeige.phtml?id=2091
© sxc.hu, John Cho
- Sportangebote im Quartier
Sport ist ein wichtiges Handlungsfeld im Programm Soziale Stadt. Die Angebote, beispielsweise der Sportjugend, können z.B. für die Integration junger Männer mit Migrationshintergrund, einen wertvollen gesellschaftlichen Beitrag leisten. So kann der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) im Rahmen des Programms „Integration durch Sport“ Vereinsangebote für Migrantinnen und Migranten organisieren: „Das Programm „Integration durch Sport“ versteht sich bei der Umsetzung als Ansprechpartner, Ideen- und Impulsgeber der sportorientierten Projekte, die immer unter nachhaltigen Aspekten konzipiert werden. Die Integrationsarbeit umfasst sowohl die Begleitung und Unterstützung der mehr als 500 Stützpunktvereine, als auch die offenen Sportangebote, Turniere, Informationsveranstaltungen und vieles mehr.“ (Heike Kübler, Deutscher Olympischer Sportbund (DOSB); weitere Informationen unter www.integration-durch-sport.de).
Stark für den Start ins Leben
Dr. Gudrun Eberle, Prof. Dr. Klaus Hurrelmann, Prof. Dr. Ulrike Ravens-Sieberer (Hrsg., 2008):
Stark für den Start ins Leben. Gesundheitsförderung in Kindergärten und Schulen - Beispiele, Ideen und Tipps aus der Praxis. Anhand vieler Praxisbeispiele, die von der AOK angestoßen oder gefördert werden, zeigt das Buch, wie bunt sich die Gesundheitsförderung für Kinder und Jugendliche gestalten lässt und wie die Zusammenarbeit der vielen Verantwortlichen vor Ort gelingt. Es richtet sich vor allem an Lehrer/innen, Erzieher/innen, Schul- und Kindertagesstätten-Träger, aber auch an Elternvertreter/ innen und Politiker/innen.
Neben dem organisierten Vereinssport, für dessen regelmäßige Nutzung der Mitgliedsbeitrag häufig ein Teilnahmehindernis darstellt, gibt es Kooperationsmöglichkeiten, die sozial Benachteiligten ein niedrigschwelliges Angebot eröffnen können. Hier gilt zumeist, dass nur, wer tatsächlich gekommen ist, auch einen kleinen Beitrag entrichtet.
Sport- und Bewegungsangebote für Migrantinnen, Bremen-Osterholz-Tenever
Der Frauengesundheitstreff Tenever arbeitet überwiegend mit Migrantinnen in einem sozialen Brennpunktgebiet. Alle Angebote haben das vorrangige Ziel, Partizipation und Empowerment der Zielgruppe zu fördern. Vor diesem Hintergrund wurden auch verschiedene Bewegungskurse entwickelt: Radfahrkurs, Frauenschwimmnachmittage, Entspannungskurse, Bewegung für Ungeübte u.a., die von muttersprachlichen Kursleiterinnen durchgeführt werden. Die Kursinhalte beziehen sich auf besondere Belastungssituation in den Familien und berücksichtigen die Ängste der Frauen (zu schlecht, zu alt, zu ungeübt) und wollen Lust an der Bewegung wecken.
Weitere Informationen unter www.gesundheitliche-chancengleichheit.de
Unser Platz - Genderaspekte im Sport, Berlin
Was versteht Dissens e.V. unter geschlechtersensiblem Arbeiten?
„MädchenStärken“ - sie sollen sich so genannte „Jungsdomänen“ aneignen (Breakdance, Fußball) und neue Kompetenzen (Feste organisieren, Filmproduktion, Trainingsgestaltung) erlernen.
„JungenFördern“ - Jungen spielen eben nicht nur Fußball und machen Rap, sondern haben ausgesprochen vielfältige Wünsche, was ihre Bewegungsinteressen angeht. Es findet auch eine kritisch-solidarische Arbeit mit den Jungen statt (Grenzsetzung bei Abwertung von Mädchen, Homosexuellen etc., Auseinandersetzung mit diesen Themen).
Weitere Informationen unter www.dissens.de/unserplatz/
Denken Sie an geschlechtersensible Gestaltung der Angebote!
Die spezifischen Bedürfnisse von Jungen und Mädchen müssen bei der Werbung für und Gestaltung von Sportangeboten berücksichtigt werden. Sollen Mädchen aus muslimisch-religiösen Familien angesprochen werden, so müssen entsprechende Regeln beachtet werden, damit das Angebot von den Eltern akzeptiert wird.
„Schwimm-Paten“ gesucht, Berlin
Im nunmehr dritten Jahr findet das Projekt „Ferienschwimmen“ im Berliner Bezirk Tempelhof-Schöneberg statt. Fünf- bis Siebenjährige lernen in Schwimmhallen der Berliner Bäderbetriebe während der Sommerferien Tauchen, Schwimmen und Springen. Am Ende des dreiwöchigen Kurses erhalten sie das Abzeichen „Seepferdchen“. Ein Lernkurs für Kinder aus sozial schwächeren Familien scheitert oftmals am Teilnahmebeitrag von 65 Euro. Im Ergebnis können ca. ein Drittel aller Berliner Kinder im Alter zwischen 8 und 14 Jahren überhaupt nicht schwimmen. Kindern aus sozial benachteiligten Familien ermöglicht das Projekt „Ferienschwimmen“ eine kostenlose Teilnahme an den Schwimmkursen. Pro Kurs nehmen zehn Kinder teil, davon werden jeweils zwei Plätze gesponsert. Um das Projekt langfristig abzusichern, wirbt die Stadträtin um Paten. Unternehmen und Privatpersonen sind dabei gleichermaßen angesprochen. Weitere Informationen: sibyll.klotz@ba-ts.verwalt-berlin.de
Unterschiedliche Interessen der Nutzerinnen und Nutzer an Sportflächen besitzen auch Konfliktpotenzial. Ebenso kann es Probleme mit Anwohnerinnen und Anwohnern (z.B. durch Lärm) geben. Das Sauberhalten der Plätze muss geregelt werden. Es bedarf also vieler Kommunikation, um das Angebot erfolgreich in den Stadtteil zu integrieren. Bei der Planung der Betreuung des Angebots muss das berücksichtigt werden. Auch bei der Entwicklung dieser Angebote sollten Zielgruppen frühzeitig einbezogen werden, um die Akzeptanz und die Verankerung des Angebots im Stadtteil zu erhöhen. Das Quartiersmanagement kann bei der Lobbyarbeit (Behörden, politische Unterstützung) wertvolle Hinweise geben.
Werden Sportstätten und Bewegungsräume an den Bedürfnissen der Bewohnerinnen und Bewohner ausgerichtet, so macht das auch den Stadtteil attraktiver. Die (zeitweilige) Nutzung von Brachflächen, das Angebot an Bewegungsräumen und Sportstätten kann neben der Erhöhung der Lebensqualität der im Stadtteil Wohnenden auch als Faktor für Stadtmarketing und Tourismus genutzt werden.
Freizeithalle Westend, Wetzlar
Eine ehemals militärisch genutzte Halle wurde mit einfachen Mitteln zur Freizeithalle umgebaut. Eigentlich ist es mehr eine „überdachte Strasse“(Heizkosten entfallen, aber trotzdem ein schützendes Dach), die in der zentralen Grünanlage des Stadtteils liegt. Es gibt einen offenen Treff für neue Interessierte und feste Angebote. Genutzt wird die Halle auch für gemeinsame Veranstaltungen von Vereinen, Verbänden sowie den Bewohnerinnen und Bewohnern.
Die investiven Kosten wurden über das BundLänder-Programm Soziale Stadt finanziert, die Fassadengestaltung über Berufsorientierungsmaßnahmen und LOS-Projekte. Ein Förderverein wurde gegründet, der sich am Betrieb der Halle beteiligt. Auch hier kamen LOSProjekte zum Tragen. Die Bewohnerinnen und Bewohner sind am Management der Halle beteiligt. Der laufende Betrieb wird durch Nutzungsgebühren (Gruppen, die es sich leisten können, private Nutzung) finanziert. Gruppen, die keinen Geldbetrag leisten können, beteiligen sich an Stadtteilfesten o.Ä.
Weitere Informationen unter www.sozialestadt-wetzlar.de
© scx.hu, juliaf
Eckersbacher Rundwanderweg
„Das Stadtumbaukonzept der Stadt Zwickau enthält einen Zielplan für Eckersbach, aus dem hervorgeht, dass im Rahmen der Aufwertung des Stadtteils die Gestaltung eines „Seniorenrundweges“ geplant ist. Dies war Anlass dafür, dass sich die Bürger für die Umsetzung des Projekts stark machten. Ihr Anliegen war es, aktiv an der Entwicklung des städtischen Freiraums mitzuwirken und diesen auch für Ortsfremde erlebbar zu machen. Erste Gestaltungsideen wurden auf Initiierung des Eckersbacher Bürgerbeirates bereits im Frühjahr 2003 entwickelt. Damals fand nach Aufrufen in der lokalen Presse eine erste Begehung des zukünftigen Wegeverlaufs mit Stadträten, Fachämtern, der Kirchgemeinde, dem Stadtteilbüro und interessierten Bürgern statt.
Um die Idee in die Tat umzusetzen, wurden im Stadtteilbüro Treffen zur Erarbeitung von Umsetzungsmöglichkeiten organisiert. Die Beteiligten suchten nach Alternativen, die beschränkt zur Verfügung stehenden finanziellen Mittel effizient zu bündeln. So verläuft der zukünftige Wegeverlauf vorwiegend auf bereits bestehenden Wohnwegen und konnte in Kooperation durch die im Stadtteil ansässige Berufsschule für Soziales bereits die Anfertigung der Wegebeschilderung vorgenommen werden. Eine Projektklasse der Schule fertigte insgesamt 31 Schilder unter Einfließen eigener Entwurfsideen an. Durch die Beschilderung wird auf Spiel- und Bolzplätze, Ruheplätze sowie öffentliche Einrichtungen und Vereine aufmerksam gemacht. Bis Ende Mai sollen alle 31 Schilder aufgestellt sein.
Parallel dazu wurde innerhalb der Stadtverwaltung im Herbst 2003 die Arbeitsgruppe „Rundwanderweg“ mit Funktion einer Koordinationsstelle ins Leben gerufen. Aufgabe der AG ist die fachkundige Unterstützung der Bürger durch Mitarbeiter des Garten- und Friedhofsamtes, des Stadtplanungsamtes, des Sanierungsbüros und dem Sanierungsträger. Es wurde festgelegt, den Weg zu 2/3 über das Programm „Stadtteile mit besonderem Entwicklungsbedarf - Die Soziale Stadt“ zu fördern. Das andere Drittel trägt die Stadt Zwickau. Komplettiert werden sollen diese Mittel durch Material- und Arbeitsleistungssponsoring der im Gebiet lebenden Bewohner und dort ansässigen gemeinnützigen Trägern. Leider konnte der 1. Bauabschnitt des Teilstücks im Bereich des Schulbiologischen Zentrums im Jahr 2004 nicht realisiert werden. Für das Jahr 2005 wurden erneut Mittel für den Bau des Teilabschnittes im Bereich des Schulbiologischen Zentrums in den Haushaltsplan eingestellt. Grundsätzlich ist eine Bereitschaft zur Mitwirkung an der Umsetzung der Baumaßnahmen durch die Bewohner, Vereine und Träger vorhanden.“
Zitat und weitere Informationen in der Projektdatenbank www.sozialestadt.de
Checkliste: Bewegungsförderung im Quartier
Mit Hilfe der Checkliste soll herausgefunden werden, was im Quartier die Bewegung hemmt und wie diese Hindernisse abgebaut werden können (siehe Spielleitplanung):
Bestandserhebung:
- Wie ist die Situation im Stadtteil bezüglich Fußwegen, Radwegen, Zebrastreifen, Fußgängerampeln, Sitzbänken etc.?
- Welche Plätze im Stadtteil könnten als Bewegungsräume genutzt werden?
- Wie können die Bewohnerinnen und Bewohner in die Suche nach solchen Plätzen einbezogen werden?
- Welche Plätze werden vorwiegend von Kindern, Jugendlichen, älteren Menschen oder anderen „besetzt“ und wie könnten diese im Sinne der Bewegungsförderung für alle verändert werden?
- Was geben die Kinder, Jugendlichen usw. für Bedürfnisse an (z.B. Platz zum Fußballspielen, Skateboard fahren, Spazierengehen etc.)?
Erhebung von Potenzialen:
- Welche Einrichtungen, Institutionen, Vereine etc. im Quartier bieten Maßnahmen zur Bewegungsförderung an?
- Wie können diese genutzt werden, um auch Angebote für Nichtvereinsmitglieder zu machen?
- Können Sportanlagen und Schulhöfe geöffnet und um spielerische und kommunikative Aspekte ergänzt werden?
- Können ungenutzte Räume und ungewöhnliche Spielorte (z.B. in Grünanlagen zwischen Wohnblöcken, auf Garagenhöfen, Brachen) für bestimmte Zielgruppen nutzbar gemacht werden - auch temporär?
Entwicklung von Maßnahmen und Vorhaben:
- Welche Maßnahmen lassen sich aus der Analyse ableiten?
- Wirken die Maßnahmen der Verinselung entgegen - d.h., sind die Wegstrecken sicher und bewegungsfreundlich gestaltet?
- Wie lässt sich die Aufmerksamkeit für das Thema auch bei Akteuren anderer Bereiche (z.B. Kommunalpolitikerinnen und - politikern) erhöhen (z.B. Eingaben in den jeweiligen Fachausschuss)?
- Werden Bewegungsanreize bei der Planung und Gestaltung aller frei zugänglichen öffentlichen Räume berücksichtigt?
- Gibt es einen Arbeitskreis im Stadtteil, ein Stadtforum oder Ähnliches? Können dort Vorschläge eingebracht werden?
Tipps zum Weiterlesen
[ Tipps zum Weiterlesen finden Sie hier ]
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