Kapitel 2 - Gesundheitschancen sind ungleich verteilt
Gesundheitschancen sind in unserer Gesellschaft ungleich verteilt. Angehörige des unteren Fünftels der Gesellschaft tragen in jedem Lebensalter statistisch betrachtet ein mindestens doppelt so hohes Risiko, ernsthaft zu erkranken oder vorzeitig zu sterben wie Angehörige des oberen Fünftels. So werden Männer der höchsten Einkommensgruppe durchschnittlich zehn Jahre älter als die der niedrigsten (Mielck, 2005; Lampert, Kroll & Dunkelberg, 2007).
Soziale Benachteiligung erzeugt Ungleichheit in Gesundheitschancen. Dabei kommen sowohl materielle Ursachen als auch psychosoziale Faktoren zum Tragen. Von Geburt an summieren sich die größeren Gesundheitsbelastungen durch schlechtere Lebensbedingungen und riskanteres Gesundheitsverhalten.
Abbildung 1: Der Zusammenhang zwischen sozialer und gesundheitlicher Ungleichheit.
(nach Mielck, 2000, S. 173)
„Armut, Arbeitslosigkeit und ein niedriger sozioökonomischer Status sind Risikofaktoren, die die Entstehung bzw. Intensivierung von Suchtproblemen begünstigen. Aufwachsen in Armut ist ein Risikofaktor, der beispielsweise den Einstieg in das Rauchen bereits im Alter von 11 bis 15 Jahren deutlich begünstigt und damit wahrscheinlich auch das Abhängigkeitsrisiko erhöht. Als ursächlich für die stärkere Verbreitung des Tabakrauchens werden die insbesondere bei armen Kindern gehäuft auftretenden Probleme, wie z. B. geringes Selbstwertgefühl, Stressbelastungen in Familie und Schule sowie Beeinträchtigungen in der Bewältigung jugendtypischer Entwicklungsaufgaben angesehen. Starke Unterschiede in den Tabakprävalenzen bestehen auch in allen Altersklassen der Erwachsenen, wenn nach Einkommen und Erwerbsstatus differenziert wird. In der Arbeitswelt ist vor allem bei monotonen Arbeitsabläufen, hohem Zeitdruck, restriktiven Vorgesetztenverhalten oder geringen Handlungs- und Entscheidungsspielräumen mit einer erhöhten Anfälligkeit für das Rauchen zu rechnen.“
3. Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung, 2008, S. 223
Im Rahmen der Berliner Gesundheits- und Sozialberichterstattung 2008 wurden für die Berliner Bezirke verschiedenste Sozialindexe berechnet. Die zur Berechnung des Sozialindexes 2003 verwendeten 25 Indikatoren, wurden 2008 auf 64 Indikatoren erweitert. Im Zuge dessen wurde der 2003 noch allgemein gefasste Sozialindex in die Sozialindexe I, II und den Statusindex aufgespaltet. In den Sozialindex I, vergleichbar mit dem Sozialindex von 2003, fließen Faktoren wie Arbeitslosigkeit, Leistungsempfang nach SGB II und XII, Berufsbildung, Armuts- und Einkommenslage, Anteile von Kindern unter 6 Jahren, Wohnlage, Wanderungsvolumen und Indikatoren des Gesundheitszustandes ein. Der Sozialindex II ist geprägt von Indikatoren wie der Art des Beschäftigungsverhältnisses und der Arbeitslosigkeit. Er wird als Gradmesser für die Vorstufe verfestigter sozialer Probleme gesehen.
Der Statusindex berücksichtigt Faktoren wie Bildung, Wanderungsbewegung, geringe Haushaltsgröße und Erwerbsstruktur (Senatsverwaltung für Gesundheit, Umwelt und Verbraucherschutz, 2008).
Der mit Hilfe der oben genannten Indikatoren errechnete Sozialindex I korreliert stark mit der allgemeinen vorzeitigen Sterblichkeit vor dem 65. Lebensjahr (Senatsverwaltung für Gesundheit, Umwelt und Verbraucherschutz, 2008, S. 211). Diesen Zusammenhang veranschaulicht die untere Grafik. Ist der Sozialindex I hoch, wie in Steglitz-Zehlendorf, so liegt die vorzeitige Sterblichkeit weit unter dem Berliner Durchschnitt. Mit abnehmendem Sozialindex I nimmt die vorzeitige Sterblichkeit stärker zu.
Abbildung 2: Diese Grafik wurde an Hand von Daten des Sozialstrukturatlasses 2008 der Senatsverwaltung fur Gesundheit, Umwelt und Verbraucherschutz zu vorzeitiger allgemeiner Sterblichkeit (S. 209) und zum Sozialindex I (S. 257) erstellt.
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