Gesundheit sozial benachteiligter Kinder und Jugendlicher
Ursachen und Belastungen
Zusammenwirken von Armutslagen, Gesundheit und Bildung
Immer mehr Familien sind von Armut betroffen und diese wird oft über Generationen hinweg „vererbt“ (siehe Grafik):
Ressourcenarme Familien erleben oft auch soziale Ausgrenzung. In der Folge ziehen sie sich selbst aus dem gesellschaftlichen Leben zurück und werden seltener von Informations-, Beratungs- oder Förderangeboten erreicht. Dies wirkt sich negativ auf die Gesundheits- und Entwicklungschancen und damit auch auf den Bildungserfolg und die Berufschancen ihrer Kinder aus.
Dabei ist eine möglichst frühzeitige Unterstützung und Förderung der Familien und ihrer Kinder effizienter als Hilfen, die erst in späteren Lebensphasen einsetzen (Abb. 2: Heckman & Masterov, 2007).
Die vorstehende Abbildung zeigt, dass die größten „Rendite“ für die Unterstützung von vorschulischen kind- und familienunterstützenden Maßnahmen zu erwarten sind (vgl. Nationales Zentrum Frühe Hilfen, 2010).
Schlechte Gesundheitschancen bedeuten
- Beeinträchtigungen der Gesundheit schon im Kindes- und Jugendalter
- verringerte Chancen, sich als Kind und Jugendliche/r erfolgreich zu entwickeln
- eingeschränkte Möglichkeiten, Lebensstile und Schutzfaktoren zu entwickeln, von denen die Jungen und Mädchen als gesundheitsfördernde Ressourcen ein Leben lang profitieren
- geringere Wahrscheinlichkeit, einen guten Bildungsabschluss zu erwerben
Handlungsansätze: Was ist zu tun?
Um der gesundheitlichen Ungleichheit bei Kindern und Jugendlichen zu begegnen, stellen Maßnahmen der Gesundheitsförderung und Prävention eine entscheidende Strategie dar.
Es gibt bereits zahlreiche Ansätze, den Folgen sozialer Ungleichheit entgegen zu treten, z.B. im Rahmen der Kinder- und Jugendhilfe, Jugendsozialarbeit und in den letzten Jahren verstärkt durch Unterstützungsangebote im Rahmen der Frühen Hilfen. Aber auch der Rechtsanspruch auf einen Kita-Platz ab dem 3. Lebensjahr, Entwicklungen in den Bildungsprogrammen der Länder und Schulreformen sowie Programme wie z.B. Soziale Stadt oder IN FORM bieten die Möglichkeit, die Gesundheit der Kinder und Jugendlichen in schwieriger sozialer Lage zu verbessern.
Aufgabe der Gesundheitsförderung ist es, sich stärker mit den bereits bestehenden Ansätzen und Anbietern zu vernetzen und dazu zu motivieren, das Thema „Gesundheit“ in die Aktivitäten zu integrieren. Gesundheitsförderung sollte dabei nicht als zusätzliche Aufgabe verstanden werden sondern ist bereits in den einzelnen Systemen und ihren Aufgaben angelegt und sollte gemeinsames Ziel fachlichen Handelns sein. Der 13. Kinder- und Jugendbericht ist dabei ein zentraler Anknüpfungspunkt (Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, 2009).
Besonders wichtig ist es, die Übergänge zwischen den einzelnen Lebensphasen der Kinder und Jugendlichen gesundheitsförderlich zu gestalten und zu begleiten. Präventionsansätze dürfen sich demnach nicht auf eine Altersphase beschränken sondern sollten im Sinne einer Präventionskette Angebote entlang des Lebenslaufs miteinander verzahnen und so ein tragfähiges Netz unterstützender Maßnahmen weben. Je früher die Angebote einsetzen, desto eher sind sie in der Lage, Ressourcen zu stärken, Risiken zu minimieren und neue Perspektiven aufzuzeigen. Dennoch ist es wichtig, für jede Lebensphase und deren spezielle Herausforderungen angepasste Angebote zu entwickeln.
Mit Hilfe der Erfahrungen aus den Good Practice-Projekten hat der Kooperationsverbund allgemeine, aber auch auf die jeweiligen Lebensphasen und Übergänge abgestimmte Handlungsempfehlungen und Umsetzungsstrategien zur Verbesserung der Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in schwieriger sozialer Lage gebündelt. Die vom beratenden Arbeitskreis des Kooperationsverbundes entwickelten zwölf Good Practice-Kriterien dienen dabei als Qualitätswegweiser, um Angebote auf die Bedürfnisse der Zielgruppe abzustimmen.
Die Handlungsempfehlungen werden demnächst erscheinen und auf den Webseiten des Kooperationsverbundes veröffentlicht.
Quellen
- Albert, M., Hurrelmann, K., Quenzel, G., TNS Infratest Sozialforschung (Hrsg.) (2010). Jugend 2010 - 16. Shell Jugendstudie. Fischer-Verlag, Frankfurt.
- Altgeld, T. (2005). Zukunftsaufgaben der Prävention und Gesundheitsförderung: mehr Zielgruppen- und Qualitätsorientierung, weniger sektorales Denken, in: Krankenversicherung 9/2005. S.243 - 248.
- Bertram, H. & Kohl, S. (2010): Zur Lage der Kinder in Deutschland 2010. Kinder stärken für eine ungewisse Zukunft. Deutsches Komitee für UNICEF, Köln.
- Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (Hrsg.). (2009). 13. Kinder und Jugendbericht - Bericht über die Lebenssituation junger Menschen und die Leistungen der Kinder- und Jugendhilfe in Deutschland. BMFSFJ, Berlin.
- Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (Hrsg.). (2008). Dossier: Armutsrisiken von Kinder und Jugendlichen in Deutschland - Materialien aus dem Kompetenzzentrum für familienbezogene Leistungen im Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend. BMFSFJ, Berlin.
- Bundesministerium für Gesundheit (Hrsg.). (2008). Strategie der Bundesregierung zur Förderung der Kindergesundheit. [Broschüre]. Berlin.
- Bundesregierung (2008). Lebenslagen in Deutschland. 3. Armuts- und Reichtumsbericht. Köln.
- Heckman, J. J. & Masterov, D. V. (2007). "The Productivity Argument for Investing in Young Children", Review of Agricultural Economics 29 (3), 446-493.
- Hurrelmann, K. & Andresen, S. (2010). Kinder in Deutschland 2010. 2. World Vision Kinderstudie. Fischer, Frankfurt.
- Lampert, T., Hagen, C., Heizmann, B. (2010). Gesundheitliche Ungleichheit bei Kindern und Jugendlichen in Deutschland - Beiträge zur Gesundheitsberichterstattung des Bundes. Robert Koch-Institut, Berlin.
- Lietzmann, T., Tophoven, S., Wenzig, C. (2011). Bedürftige Kinde rund ihre Lebensumstände - Grundsicherung und Einkommensarmut. IAB-Kurzbericht Nr. 6, März 2011, Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) der Bundesagentur für Arbeit, Nürnberg.
- Nationales Zentrum Frühe Hilfen (Hrsg.) (2010). Werkbuch Vernetzung. Modellprojekt Guter Start ins Kinderleben. Chancen und Stolpersteine interdisziplinärer Kooperation und Vernetzung im Bereich Früher Hilfen und im Kinderschutz. Süddeutsche Verlagsgesellschaft, Ulm.
- Robert Koch-Institut (Hrsg.), Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (Hrsg.) (2008). Erkennen - Bewerten - Handeln: Zur Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Deutschland. RKI, Berlin.
- Rosenbrock, R. (2008). Geerbte Schwäche. Wenig Geld, wenig Gesundheit. Vortrag auf der BMG-RKI-BZgA-Transfer-Tagung „Kinder in eine gesunde Zukunft“ am 09.12. 2008 in Berlin.
- Sachverständigenrat zur Begutachtung der Entwicklung im Gesundheitswesen(Hrsg.): Koordination und Integration − Gesundheitsversorgung in einer Gesellschaft des längeren Lebens (2009).



