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Die Diskussion ist abgeschlossen

Gemeinsames Handeln für mehr Gesundheit: (wie) funktioniert das?

Icon Diskussion

Vernetzung über Ressortgrenzen oder Berufszugehörigkeiten hinweg ist ein Thema, dessen Bedeutung in der Gesundheitsförderung kontinuierlich betont wird. Im Heft 7 der Arbeitshilfen „Aktiv werden für Gesundheit“ konnten soeben viele Anregungen und gelungene Beispiele zusammengetragen und für die Praxis zur Verfügung gestellt werden.

Mit dem 9. Kooperationstreffen am 30.11. fällt zudem der Startschuss für ein vernetztes  Handeln auf Basis gemeinsam entwickelter Handlungsempfehlungen zu Strategien der Gesundheitsförderung bei Kindern und Jugendlichen - der anschließende kommunale Partnerprozess „Gesund aufwachsen für alle!“ wird insbesondere auf die Stärkung der Zusammenarbeit und des Erfahrungsaustausches zwischen den Akteuren abzielen!

  • Das liegt nahe, denn Vernetzung bietet eine Reihe von Chancen: Wissenserweiterung, neue Austauschmöglichkeiten und die Koordinierung von Zuständigkeiten seien nur exemplarisch genannt.
  • Doch Vernetzung kostet auch: Zeit, Arbeit und viel Geduld. Oft ist es schwierig, alle wichtigen Akteure gleichermaßen zu gewinnen, zu begeistern und geschaffene Strukturen kontinuierlich aufrecht zu erhalten.

Daher stellt sich immer wieder die Frage, ob sich dieser Aufwand lohnt. Und wie eine wirklich zielführende Vernetzung funktionieren kann. Was brauchen wir konkret, damit mehr Zusammenarbeit gelingt?


Beitrag: Uta Maercker (Regionaler Knoten Thüringen)

Uta Maercker:

Netzwerke und Netzwerkarbeit sind in aller Munde, insbesondere werden sie in der Praxis gern synonym als Möglichkeit dargestellt, Einsparungpotentiale zu finden. In Zeiten knapper Kassen ist dieser Aspekt sehr attraktiv und richtig, gemeinsam zu schauen, wie mit den vorhandenen Ressourcen das Optimale erreicht werden kann. Vielfach hat jedoch bereits bei den Akteuren eine Netzwerkmüdigkeit eingesetzt, denn es gibt zum Teil zu viele Netzwerke, die parallel agieren und der Einzelne kann den Mehrwert von Netzwerkarbeit für sich und sein Arbeitsfeld nicht (mehr) erkennen. Um die Chancen, die in Netzwerkarbeit stecken nicht zu vergeben, ist es deshalb notwendig Netzwerke kompetent zu leiten, zu moderieren und zu pflegen.
Netzwerke können nur Synergien schaffen und Ressourcen bündeln, wenn in sie investiert wird. Netzwerkarbeit braucht Ressourcen, sowohl in Form von Zeit als auch in Form von Know-How!

24.11.2011 08:01 Uhr

Beitrag: Ursula Latka-Kiel, Münchner Aktionswerkstatt G’sundheit

Ursula Latka-Kiel, Münchner Aktionswerkstatt G’sundheit:

MAG’s, die Münchner Aktionswerkstatt G'sundheit arbeitet in verschiedenen Münchner Stadtteilen an der Gesundheitsförderung mit Benachteiligten.
Vernetzung betreiben wir auf mehreren Ebenen:
- zum einen besuchen wir die Gremien im Stadtteil, in denen die wichtigsten Aktiven aus den Vierteln und die VertreterInnen der Landeshauptstadt München zusammen kommen,
- zum anderen arbeiten wir an konkreten Projekten z.B. „Rund um die Geburt“, Schulfrühstück, Stadtteilgesundheitsführer oder Küchenprojekt mit den sozialen Einrichtungen, Hebammen, Mütterinitiativen, Schulen etc. zielgerichtet zusammen.
- Zum dritten suchen wir den Kontakt mit Sponsoren und Geldgebern, damit die Umsetzung von guten Ideen an der Basis verbessert werden kann
- und last not least werden unsere Arbeitskreise im Verbund geleitet, d.h. nicht allein eine Person hat die Leitung, sondern es wird abwechselnd eingeladen und Protokoll geführt.

So haben wir einen guten Grundstock an verlässlichen Partnerinnen und Partnern, den wir bei Bedarf für bestimmte Anliegen aktivieren können. Vernetzung um der Vernetzung willen ist unproduktiv. Arbeiten für gemeinsame Ziele bringt allen Beteiligten etwas.

24.11.2011 15:23 Uhr

Beitrag: Nepomuk Derksen

Nepomuk Derksen:

Neuer Raum für Wachstum - eine Reform der Förderstrukturen

Eine Zukunft gestaltende Politik im Bereich Gesundheitsförderung/Prävention (hier nur stellvertretend für andere Ressorts) ist familienfreundlich, sozial, integrativ, bildend und kulturell innovativ. Sie fördert Partizipation in der Stadtentwicklung, Investitionen in Kitas, Schulen und andere Bildungseinrichtungen, faire und persönlichkeitsbildende Arbeit, eine nachhaltig gesunde Wirtschaft, die komplexe Beteiligung Behinderter und die innere Sicherheit in ihrem doppelten Sinn - um beispielhaft einige Felder zu benennen. Unverzichtbare Grundlage dafür ist die Partnerschaft von Arm und Reich, Jung und Alt, der unterschiedlichen Kulturen und von Mensch und Natur. Sie ist eine komplexe, die Vielfalt der Lebensbereiche betreffende Querschnittsaufgabe. Diese Verbindungen sind bekannt und rücken zunehmend in den Fokus der bundesweiten Fachdiskussionen: verarmte Familien können am Gut Gesundheit oft nicht partizipieren, gute Bildung ist Voraussetzung für Gesundheit, kulturell lebendige Stadtteile fördern die wirtschaftliche Entwicklung, für eine gute Integration brauchen wir eine vitale Stadtteilkultur und die Wirtschaft profitiert von Partizipation, Integration und Kreativität. In der gegenseitigen Durchdringung der einzelnen Aufgaben liegt die Chance, eine Zukunft gestaltende Politik zu realisieren.
Im Gegensatz dazu haben sich in den letzten Jahrzehnten zunehmend hoch spezialisierte und von einander getrennte „Säulen-Strukturen“ entwickelt. Gerade deshalb liegt in der Förderung der zwischen diesen Säulen befindlichen Räume, in der Förderung struktureller Vernetzungen, inter- und transdisziplinärer Ansätze ein besonders großes, menschlich und materiell hochrentables Innovationspotential. Der Mehrwert liegt also im Dazwischen.
Auch dies ist seit langem bekannt. Die Ursache für das weitgehende Scheitern dieser Bemühungen liegt überwiegend nicht im mangelnder Einsicht, mangelnder Kompetenz oder mangelnder Motivation der Entscheidungsträger. Die gestellte Aufgabe wird überwiegend nicht nur pflichtgemäß, sondern oft überaus motiviert erfüllt ... nur dass diese Aufgabe falsch gestellt ist. Das bestehende System fördert die Abgrenzung nicht nur, es fordert die Abgrenzung.
Um die Innovationsfähigkeit der Systeme zu fördern, sollten wir die Kommunikation zwischen den „Säulen“ durch strukturell verankerte Anreize verbessern. Um dieses Ziel zu erreichen, rege ich eine Änderung in der Struktur der Fördersysteme an:
in den ersten z.B. 4 Jahren werden 0,5 % jedes Ressorts für neue gemeinsame Aufgaben mit Laufzeiten über 1-2 Jahre freigestellt. Später wird die Summe erhöht und zusätzlich Laufzeiten über 3-5 Jahre und ständiger Einrichtungen möglich. Die Etathoheit verbleibt im jeweiligen Ressort. Das Konzept baut auf vorhandenen Ressourcen auf.
Höhe und Anteil der öffentlichen Förderung folgen der Innovationskraft, der Modellqualität und der Vernetzungsleistung des Geförderten. Ein externes Expertengremium aus den verschiedenen relevanten Politikbereichen prüft punktuell mit aufeinander abgestimmten Evalua-tionssystemen aus der jeweiligen Ressortlogik. Es bekommt ein Vetorecht.
Die Chance auf qualitatives und quantitatives Wachstum unterstützt die inhaltliche Kommunikation der Ressorts. Wer kooperiert und zukunftsfähige Konzepte kommunizieren kann, kann seinen Etat vergrößern. Wem dies nicht möglich ist, verliert die Kooperationsmittel des eigenen Ressorts für das laufende Geschäftsjahr (Stichtag) und hat im nächsten Jahr erneut die Chance. Es wird keine neue Verwaltungsebene aufgebaut.
Das Konzept fördert die Entwicklung einer neuen Gesprächskultur in Politik, Verwaltung, Wissenschaft und Erziehung, die Entwicklung flexiblerer Verwaltungssysteme, neuer Wissensgebiete, neuer Technologien, neuer Berufe und neue, Fächer übergreifende Projekte.
Über Kritik, Verbesserungsvorschläge, Variationen, Unterstützerschreiben und Multiplikation freue ich mich. Gesucht ist eine Kommune mit Visionskraft und Handlungsdruck, die diese Idee im gemeinsamen öffentlichen Interesse Wirklichkeit werden lässt. Rückmeldungen bitte auch an:
Nepomuk Derksen
Große Brunnenstraße 75
22763 Hamburg
Tel. 040 - 39 90 54 31
buntekuhev@t-online.de

Bei redaktionellen Veränderungen bitte ich freundlich um Rücksprache vor Veröffentlichung. Danke.

26.11.2011 12:11 Uhr

Beitrag: Helmut Hildebrandt - OptiMedis und Gesundes Kinzigtal

Helmut Hildebrandt - OptiMedis und Gesundes Kinzigtal:

Ich beziehe mich auf den Beitrag von Nepomuk Derksen: Es ist interessant, wie analog die Kritik zur Partizipation in der Stadtentwicklung der Diskussion in der Gesundheitsversorgung ist. Der hier wiedergegebene Text von N.Derksen könnte genausogut einer Kritik der Versäulung (manche sagen auch des Silocharakters) der einzelnen Disziplinen und Indikationen im Gesundheitswesen entsprungen sein:
"Im Gegensatz dazu haben sich in den letzten Jahrzehnten zunehmend hoch spezialisierte und von einander getrennte „Säulen-Strukturen“ entwickelt. Gerade deshalb liegt in der Förderung der zwischen diesen Säulen befindlichen Räume, in der Förderung struktureller Vernetzungen, inter- und transdisziplinärer Ansätze ein besonders großes, menschlich und materiell hochrentables Innovationspotential. Der Mehrwert liegt also im Dazwischen."

Erfolgreiche Gesundheitsförderung sollte unseres Erachtens immer einen größeren Blick auf die systemische Grundstruktur bewahren und ihr Handeln durch die Aktivierung der zwischen den Säulen befindlichen bürgergesellschaftlichen Räume zusätzlich unterstützen. Im Kinzigtal machen wir das durch eine enge Kooperation mit den Vereinen, den Kommunen, den sozialen Einrichtungen ... aber auch dort lässt sich das sicher noch weiter ausbauen.

Bzgl. der Diskussion um die mangelnde Finanzierung möchte ich Mut machen, die Optionen des § 140b SGB V zu nutzen: Integrierte Versorgungsverträge mit Krankenkassen. Auch wenn hier der Begriff "Gesundheitsförderung" hinter dem der Versorgung ein bisschen zurücksteht, de facto muss jeder, der eine verbesserte und preiswertere Versorgung anstrebt, sich der Erfahrungen und Methoden aus der Gesundheitsförderung bedienen. Insofern ist letzteres integraler Bestandteil.

Mehr zu unserer Arbeit unter www.optimedis.de und dort unter aktuellen Veröffentlichungen.

27.11.2011 15:16 Uhr

Beitrag: Astrid Petermann

Astrid Petermann:

Die Idee über das "wie funktioniert gemeinsames vernetztes Handeln" auf dieser Plattform zu diskutieren, gefällt mir ausserordentlich gut! Und es freut mich zu lesen, dass die "Netzwerkmüdigkeit", sicher als Ausdruck von frustrierenden Erfahrungen in sogenannten "Netzwerken", noch nicht alle erfasst hat, sondern hier sehr konstruktive und engagierte Beiträge zu finden sind.

Ich möchte die Erfahrungen zur "Qualitätsentwicklung für lokale Netzwerkarbeit" – Ergebnisse eines AWO-Projektes zu dieser Diskussion beisteuern.

Die Arbeiterwohlfahrt erkennt in der Auseinandersetzung mit neuen Formen der Netzwerkarbeit ein immer wichtiger werdendes Instrument sozialer Dienstleistungserbringung. Dabei sieht sie sich einerseits im Wettbewerb mit anderen Anbietern andererseits stellt sie sich der notwendigen Weiterentwicklung eigener Verbandsstandards. Zur (Weiter-) Entwicklung dieser Prozesse sowie einer dafür notwendigen Qualifizierung lokaler Sozialarbeit hat der AWO-Bundesverband das dreijährige Projekt „Qualitätsentwicklung für lokale Netzwerkarbeit im Programm E&C“ (2001 bis 2004) durchgeführt. Um bereits vorhandene Erfahrungen mit vernetzten, trägerübergreifenden Arbeiten zu analysieren und zu strukturieren sowie die Arbeitsprozesse in Netzwerken zu qualifizieren, beteiligten sich die AWO-Kreisverbände Nürnberg, Bremen, Hannover und Halle an diesem Projekt. Die wissenschaftliche Begleitung lag beim Institut für Sozialarbeit und Sozialpädagogik.

Ziel war es die vielfältigen Erfahrungen zu Netzwerkarbeit und Sozialraumorientierung zu analysieren und zu bündeln, um hieraus Qualitätskriterien für gelingende Netzwerkarbeit zu entwickeln. Dadurch sollte ein Beitrag geleistet werden, um stabile Strukturen und professionelle Verfahrensweisen zu installieren und zu evaluieren, die eine angemessene sozialräumliche Vernetzung im Sinne eines integrierten Dienstleistungsangebots dauerhaft etabliert. Hierbei wird Netzwerkkompetenz als eine immer deutlicher werdende Schlüsselqualifikation für die beruflichen Kompetenzen auf der Ebene der Methoden sozialer Arbeit als auch als ein Steuerungsinstrument sozialer Infrastruktur gesehen.

Hauptbestandteil des Projektes war die Entwicklung eines Qualitätssicherungskonzeptes. Wichtigster Bestandteil war hierbei die Bestimmung und Erprobung eines Analyse- und Handlungsrasters für Netzwerkqualität, das Kriterien für gelingende Netzwerkarbeit und damit zur Messung der Qualität von Netzwerkarbeit entwickelt. Als neues Instrument dient es den Trägen sozialer Dienste als Leitfaden für die Selbstevaluation ihrer Netzwerkarbeit. Auf diesen Ergebnissen aufbauend wurde eine handlungsorientierte Arbeitshilfe " Qualitätsentwicklung für lokale Netzwerkarbeit - eine Arbeitshilfe für die Praxis" entwickelt.
Sie können Sie auf unser homepage oder unter folgendem link kostenlos einsehen:
http://www.awo.org/index.php?eID=tx_nawsecuredl&u=0&file=fileadmin/user_upload/pdf-dokumente/Qualitaetsentwicklung_Netzwerk.pdf&t=1322561293&hash=9796004d712f9b45e790b4092ef9f245

Als Ergebnisse des Projektes sind zu nennen:
•Netzwerkarbeit beginnt immer im eigenen Verantwortungsbereich mit dem Aufbau, der Gestaltung und der Pflege geeigneter Arbeits-, Abstimmungs- und Kommunikationsstrukturen. Sie bedarf bereits zu Beginn klarer Aufgaben- und Ressourcenverteilungen.


•Netzwerkarbeit benötigt Professionalisierung und neue Instrumente. Das Projekt hat hierzu mit dem Modul „Netzwerkqualität“ ein Analyse- und Handlungsraster zur (Selbst-)Evaluation entwickelt, das auf den qualifizierten Aus- und Aufbau von Netzwerken und damit auf Qualitätssicherung vor Ort zielt. Anhand der ausgearbeiteten Kriterien Konzept-, Struktur-, Prozess- und Ergebnisqualität können so die Erfahrungen vor Ort analysiert, angepasst und in die interne Verbandsentwicklung rückgekoppelt werden.


•Netzwerkarbeit ist ein permanenter Lern- und Steuerungsprozess, der in einem Verband sowohl die horizontale wie die vertikale Ebene erfasst. Wirkungs- und sozialraumorientierte Arbeit greift in die bisherigen Strukturen bzw. in das Selbstverständnis sozialer Dienstleistungserstellung als neue Herausforderung ein. Verbandliche Lernprozesse müssen hier die Träger auf die neuen Arbeits- und Kooperationsformen einstellen.

Astrid Petermann,
Bundesverband der Arbeiterwohlfahrt e.V.

28.11.2011 10:26 Uhr

Beitrag: Manfred Pallentin

Manfred Pallentin:

Netzwerke, Chancengleichheit, Messung des outputs und nunmehr outcomes. Toll! Viel heiße Luft in alten Schläuchen, der da "verkauft" wird. Nur, welche Interessen sollen denn mit diesen neuen Maßnahmen bedient werden? Die der Betroffenen oder die der Kosten- und Leistungsträger? Will man eine Verbesserung der Lebenschancen erreichen, so müßten - insbesondere in der Verwaltung - neue Strukturen und veränderte Zuständigkeiten geschaffen werden, damit Maßnahmen langfristig greifen. Dahingehend ist aber weit und breit kaum etwas an produktiver Veränderung zu erkennen. Inklusion findet in den voneinander getrennten Sozialräumen statt. Wird jemand erst einmal im Hilfesystem versorgt gibt es kein Entkommen mehr; einmal im System = immer im System. Auch wenn in vielen Regionen gute Ansätze von Netzwerkarbeit umgesetzt werden, bedient man sich in vielen Fällen des neuen Vokabulars (permanetes Lernen, Prozessteuerung, Inklusion etc.) ohne zielführende Veränderung. Zugute halten kann man den Akteuren höchsten ihre Veränderungsbereitschaft. Und natürlich stellt sich bei sämtlichen Maßnahmen die Frage nach der Ökonomisierung des Sozialen. Wie hoch ist die Rendite? Können die Stakeholder zufriedengestellt werden? War/ist das Pojekt erffektiv und effizient? Betrachte ich mir dann die zahlen des Armutsberichtes der Bundesregierung, die Zahlen des IAB, Resultate der PISA Studien usw., dann erkenne ich keine großen Veränderungen. In diesem Sinne viel Freude auf den traditionellen sich Veränderungen widersetzenden Weihnachtsmärkten!

29.11.2011 11:49 Uhr

Beitrag: Derksen Nepomuk

Derksen Nepomuk:

Wenn immer nur die Qualität der bestehenden Netzwerke beschrieben wird, gleichzeitig aber von der mangelnden Ausstattung mit Ressourcen zur Umsetzung der Ergebnisse dieser Netzwerkarbeit die Rede ist, stoßen wir wieder an die Grenze der Ressorts, die im Zuge der Sparbemühungen immer enger und dichter wird, da sich jedes Ressort mit Bedauern auf seine Kernaufgaben zurückzieht.

Die Antwort liegt weniger im Aufbau immer neuer, vernetzender mittlerer Verwaltungsebenen (Bauchspeck) sondern durch Veränderung der Förderziele durch Kooperationsvorgaben. Für kreative und innovative Verwaltung/Politik ein Gewinn, für die anderen ein Muss.

Man kann die Zukunft nicht nur verspielen, indem man zu viele Schulden macht, sondern auch durch mangelnde Flexibilität und vor allem durch ein ständiges sich selbst auf die Schultern klopfen (ist allgemein gemeint).

29.11.2011 12:02 Uhr

Beitrag: Ulrich Storr

Ulrich Storr:

Ziel aller unserer Projekte in Augsburg ist es, soziale Benachteiligungen auszugleichen und gesundheitliche Chancengleichheit in der sich rasch verändernden Stadtfamilie ohne Stigmatisierung zu fördern. Dabei gilt es bürgerliches Engagement zu stärken und durch die Arbeit der kommunalen Dienste / Behörden zu verstetigen.

Das Gesundheitsamt hat vor 3 Jahren die Initiative zur Implementierung von mehreren Gesundheitsförderungsprojekten für Säuglinge, Kinder und Jugendliche übernommen und hierbei die Schwerpunkte Ernährung, Bewegung, Zahngesundheit und Frühe Hilfen formuliert. Seither begleitet es die entstandenen Projekte moderierend und evaluierend.

29.11.2011 14:12 Uhr

Beitrag: Martina Hartmann, REGSAM - Regionale Netzwerke für Soziales, München

Martina Hartmann, REGSAM - Regionale Netzwerke für Soziales, München:

Dauerhafte und gelingende Netzwerke brauchen professionelles Management, sie müssen partizipativ angelegt sein und für den einzelnen Netzwerkpartner einen unmittelbaren Nutzen bringen. REGSAM besteht mit seinen zielgruppenorientierten Stadtteilgremien seit fast 20 Jahren. Auch in München entstanden neben REGSAM andere stadtteilorientierte Netzwerke, die auf unterschiedliche Art und Weise mit REGSAM kooperieren und sich in die bestehenden REGSAM-Strukturen integrieren.
Eine entscheidende Wirkung von langfristigen, verlässlichen Netzwerken wird bei dem Blick auf kurzfristigen output und messbare Ergebnisse oft übersehen: Das Entstehen von Vertrauen unter den Netzwerkpartnern. Nur so gelingen ressourcenschonende, trägerübergreifende Kooperationen. Und damit Vertrauen wachsen kann, braucht es Zeit. Gerade wenn die Kassen leerer und die Verteilungskämpfe härter werden, braucht es eine vertrauensvolle Basis, damit in Kooperation neue Projekte, optimierte Angebote, Absprachen und gemeinsame Lösungen entwickelt und umgesetzt werden können. Nur so können die Menschen im Stadtteil und nicht ausschließlich die Trägerinteressen im Vordergrund stehen. Nur so kann das Netzwerk flexibel auf aktuelle Themen und Probleme in den Stadtteilen reagieren. In REGSAM engagieren sich Mitarbeiter/innen unterschiedlichster Einrichtungen aus den Bereichen Soziales, Gesundheit und Bildung sowie viele Ehrenamtliche. Viele davon machen die Netzwerkarbeit außerhalb der Arbeitszeit, da sie unmittelbar davon profitieren. Der Austausch, das Wissen um die anderen Einrichtungen und Kolleg/innen im Stadtteil, das gemeinsame Handeln verbessern nicht nur die Angebotsqualität.Sie tragen auch zur Entlastung der einzelnen Mitarbeiter/innen bei, weil Probleme gemeinsam angegangen werden können.
Voneinander wissen. Miteinander handeln!

29.11.2011 22:22 Uhr

Beitrag: Jörg Marwede

Jörg Marwede:

Gemeinsames Handeln für mehr Gesundheit -
das heißt:
Alle Akteure müssen in das Boot !
Betroffene(!!), Anbieter, Kostenträger, gesellschaftliche Akteure ....

Zielorientiertes Handeln mit klar definierten Zielen, einem definierten Handlungsprozess
(mit Steuerung), Auswertung der Ergebnisse ...
ist gefragt.

Dies stellt einen langfristigen Prozeß dar, der viel Geduld und Arbeitskraft fordert.

Netzwerkbildung kann also eine Chance darstellen, wenn sie entsprechend angelegt ist.

Betroffene mit ins Boot zu bekommen, ist dann möglich, wenn nicht nur kostenorientiert usw. gedacht wird, sondern auch niedrigschwellige Angebote gemacht werden, von denen Betroffene profitieren können.

Im Bundesland Thüringen sind wir dabei,
Entsprechendes zu überdenken. Die Gesundheitsregion Thüringen e.V. steht am Anfang ihrer Aktivitäten.

Zukunft will gestaltet werden ... !

Jörg Marwede
Gesundheit, Fitness und Sport e.v.
Am Mittleren Rasen 6
98617 Meiningen
T: 03693-503000
mail: joerg_marwede@hotmail.de

30.11.2011 11:56 Uhr

Beitrag: Falkenstein Volker

Falkenstein Volker:

Gesundheitsförderung - insbesondere für sozial Benachteiligte - kann nur in der Kommune durch ein gelungenes Miteinander - Netzwerk - gelingen.
Arbeiten Hauptamt als Chefsache - Ehrenamt - Institutionen - Vereine - Kassen - Ärzte unterstützt von der Kommunalpolitik in einem gemeinsamen abgestimmten bürgerschaftlichen Prozess zusammen, ist es möglich, bedarfsorientiert unter Einbindung der Betroffenen Angebote abzustimmen bzw. neu zu schaffen. Expertenbegleitung und finanzielle Ressourcen sind unterstützend notwendig.
Netzwerke müssen mit Leben erfüllt sein, Partizipation jederzeit möglich.
Miteinander - Füreinander.

Volker Falkenstein
Projektleiter Neues Altern in der Stadt (NAIS)

Stadt Bruchsal
Rathaus am Marktplatz
Familie und Soziales
Kaiserstraße 66
76646 Bruchsal

Tel.: 07251/79-357
Fax: 07251/79-11-357
E-Mail: volker.falkenstein@bruchsal.de
www.bruchsal.de

05.12.2011 11:17 Uhr

Beitrag: Guido Glück

Guido Glück:

Funktion und Wirkung des Projektes -Hilfe für Fritz-
Durch das Projekt HILFE FÜR FRTZ lernen Studierende im Rahmen der Ausbildung praktisch wie Netzwerkarbeit funktioniert. Sie stellen das erworben Wissen auf einer Fachtagung mit Messe der Öffentlichkeit vor.
Unter der Schirmherrschaft des Gesundheitsamtes des Wetteraukreises hat sich 1997 ein Arbeitskreis zum Thema Gesundheits- und Gewaltprävention gebildet.
Gemeinsam entwarfen Sie ein Vernetzungsmodell das sich zum Projekt “Hilfe für Fritz“ entwickelte.
Als Leitschiene des Projektes "Hilfe für Fritz" wurde die fiktive Person des Fritz (ein aus realitätsbezogenen Details zusammengesetzter Junge, der im Alter von 19 Jahren delinquent wird) entwickelt.
Fritz ist also kein realer Mensch, sondern ein fiktiver Junge, dessen Entwicklung über die ganze Kindheit und Jugend sehr problematisch verläuft.
Die Probleme schaukeln sich auf, bis es letztlich zur Katastrophe kommt. Als 19jähriger Jugendlicher verletzt Fritz seinen Chef und Ausbilder lebensgefährlich, was eine Verurteilung und eine anschließende Jugendstrafe zur Folge hat.
Trotz der zahlreichen festgehaltenen Auffälligkeiten gab es mangels eines koordinierten Hilfesystems keine sinnbringenden oder nachhaltigen Hilfs- und Förderangebote. Hätte es einen verantwortungsvollen Umgang (z.B. Fallkonferenzen) mit diesen Informationen gegeben, hätte Fritz einen wesentlich positiveren Entwicklungsverlauf erleben können.

Die Vernetzung der unterschiedlichen Einrichtungen zur Hilfe für Kleinkinder, Kinder und Jugendlicher ist ein bedeutender Faktor, damit Auffälligkeiten und Störungen in der Entwicklung frühzeitig erkannt werden können und effektiver Hilfe geleistet werden kann.

Durch das Projekt sollen Kooperationsmöglichkeiten deutlich gemacht werden um den Kooperations- und Vernetzungsgedanken von Beginn an in das spätere Berufsleben zu integrieren.
In ihrem späteren Berufsleben ist es für Erzieherinnen wichtig, zum Wohle der ihnen anvertrauten Kinder die regionalen Angebots- und Vernetzungsstrukturen sozialer und gesundheitsfördernder Einrichtungen und Praxen zu kennen. Dabei übernehmen die ErzieherInnen wesentliche Vermittlungs- und Koordinationsfunktion zwischen den Erziehungsverantwortlichen und den Institutionen.

Als fester Bestandteil des Unterrichtskonzepts, wird in der Fachschule für Sozialpädagogik (Wingertschule in Friedberg) der Vernetzungsgedanke und die Notwendigkeit der interdisziplinären Kooperation mit Institutionen aus dem sozialen Hilfenetzwerk vermittelt.
Das Projekt wurde evaluiert und die positiven Effekte sind klar nachgewiesen. Erzieherinnen und Erzieher die –Hilfe für Fritz- mitgemacht haben sind deutlich kompetenter als Studierende die das Projekt nicht mitgemacht haben.

Ziele vom Projekt -Hilfe für Fritz-
1. In der Phase der beruflichen Ausbildung von ErzieherInnen die Notwendigkeit von interdisziplinärer Zusammenarbeit praxisnah vermitteln.
2. Die Arbeitsweise der Institutionen für die Auszubildenden bekannter und transparenter zu machen, Schwellenängste abzubauen.
3. Die präventive Arbeit unterschiedlichster Stellen im Hilfe- und Unterstützungsbereich untereinander bekannt zu mache, zu fördern und zu vernetzen.
4. Personen-unabhängige Vernetzungsstrukturen in der kommunalen Gesundheitsförderung aufzubauen und Kommunikation zu verbessern.
5. Öffentlichkeitswirksame Präsentations- und Moderationstechniken praktisch anwenden können.

Weitere Informationen bei
Guido Glück
Fachstelle Suchtprävention
für den Wetteraukreis
Mail: zjswk-praevention@jj-ev.de

05.12.2011 14:11 Uhr

Beitrag: Sigrid Michel

Sigrid Michel:

Kommunale Netzwerke in kleinen Kommunen unterschieden sich erheblich von denen in großen Städten: Es ist nicht klar, wer die Leitungsfunktion übernehmen sollte. Verantwortliche Ansprechpartner oder Ansprechpartnerinnen sind in Kommunen unterhalb der Kreisebene nicht vorgesehen. Gerade im Bereich des ÖGD kann immer noch gespart werden, weil anders als im SGB V § 28 wo festgelegt ist, dass die Behandlung nach den Regeln ärztlicher Kunst zu erfolgen hat, analoge fachliche Standards, die durch eine Profession festgelegt werden, nicht existieren und auch nicht eingefordert werden.
Kommunen, besonders solche mit Nothaushalt haben nur einen sehr eingeschränkten Gestaltungsspielraum und müssen gezwungenermaßen die freiwilligen Leistungen auf ein Minimum reduzieren. Die ständige Finanzknappheit in solchen Kommunen hat dazu geführt, dass als fachliche richtig und notwendig erkannte Maßnahmen wegen der prekären Haushaltssituation nicht umgesetzt werden können. Wenn Bewerbung um Fördermittel unterbleibt, weil der Eigenanteil nicht erbracht werden kann, frei werdende Stellen nicht mehr besetzt werden oder mit Personen mit nicht ausreichenden fachlichen Kenntnissen besetzt werden müssen, trägt das weiter zu Marginalisierung von Kommunen bei und Themen wie gesundheitliche Chancengleichheit und Bildungsgerechtigkeit bleiben vor Ort auf der Strecke bleiben.
Es wurden häufig weder differenzierte Sozialraumanalysen durchgeführt (mit der sogar in kleinen Kommunen straßenbezogen gezeigt werden kann, wo Menschen mit wenig materillen Ressourcen leben und ein hohes Maß an Unterstützung brauchen). In der kleinen Kommune, in der ich seit mehr als einem Jahr im Rahmen von freiwilliger unbezahlter Tätigkeit Arbeitskreis leite, in dem alle wichtigen Akteure vertreten sind: Jugendamtsleiter, Vorsitzender der Bürgerstiftung, Kämmerin, Gesundheitsförderer vom Kreisgesundheitsamt, Vertreterin des Jobcenters, der Politikwerkstatt, Kinder- und Jugendärzte (niedergelassen und vom Kreisgesundheit), Mitarbeiterin der Tafel, Leiterin eine Grundschule, Vertreter der Bürgerschaft, der Arbeitsgruppe Sozialgespräch in dem Kirchen, verschiedene Träger und Institutionen, den Zielgruppen Personen in besonderen Lebenslagen sind) zeigen die Schuleingangsuntersuchungen, dass die Kinder aus dem oben erwähnten Einzugsbereich, in der vier verschiedene Kitas liegen schlechtere Untersuchungsergebnisse aufweisen als die der Kinder aus den anderen Kitas der Stadt. Unterschiede bestanden schon bei Eintritt in den die Kitas. Durch den Kitabesuch konnten die Differenzen allerdings nicht abgebaut sondern bestenfalls abgemildert werden. Da die Kinder aus diesen vier Kitas in eine Grundschule wechseln , ist es nicht verwunderlich, wenn aus dieser Grundschule anteilig mehr Kinder an die Förderschule oder Hauptschule wechseln, als aus anderen Grundschulen. Wie schon eine Untersuchung von 3 Kitas in der nahegelegenen Kreisstadt vor wenigen Jahren gezeigt hat, sind die Kitas in sozialen Brennpunkten im Verhältnis zu den anfallenden Aufgaben personell schlechter gestellt und zudem sit die räumliche und sächliche Ausstattung dort schlechter, wo die Kinder in beschränkten Wohnverhältnissen leben und nachmittags zum Spielen nicht in den eigenen Garten hinter dem Haus gehen können. Würde wirklich Bildungsgerechtigkeit angestrebt müssten zusätzlich Ressourcen gezielt für Bildungseinrichtungen in diesen Quartieren zur Verfügung gestellt werden.
Dass besonders geschultes Fachpersonal die Kinder besser fördern kann, hat sich in Mülheim gezeigt. Dort erbrachten die Schuleignungsuntersuchungen von Kindern , die in armen Stadtteilen leben überraschend gut Ergebnisse, die wohl darauf zurückgeführt werden können, dass die Erzieherinnen besonders geschult wurden und nach dem Early Excellence Ansatz arbeiten, dessen Verbreitung in der Bundesrepublik über die Dürr- Stiftung gefördert wird. Die unterschiedlichen Träger von vorschulischen Bildungseinrichtungen sind allerdings nicht dazu verpflichtet, ein bestimmtes pädagogisches Konzept umzusetzen. Immer noch wird allzu häufig die Erziehungskompetenz der Eltern in Frage gestellt, anstatt die Kinder ausreichend ergänzend zur Familie ausreichend zu fördern und zu fordern und ihnen optimale Bewegungsmöglichkeiten und gesundes Essen in der Einrichtung zu garantieren. Dies gilt ebenso für den Primarbereich, in dem entscheidende Weichen gestellt werden. In NRW werden Bildungsgrundsätze erprobt, die die Entwicklung von Kompetenzen der Kinder in den unterschiedlichsten Bereichen im Vor-und Grundschulbereich zum Ziel haben. Allerdings wird dabei das Thema des Herstellens von Bildungsgerechtigkeit und Chancengleichheit nicht berücksichtigt.
Von uns durchgeführte Befragungen von Jugendlichen , die wir durchgeführt haben zeigen zudem, dass kleine Städte, selbst wenn sie im Grünen liegen und Welt vordergründig noch in Ordnung zu sein scheint, Jugendlichen nicht ausreichend Entfaltungsmöglichkeiten bieten, da der öffentlich Raum nicht deren Bedürfnissen Rechnung trägt und kaum Orte vorhanden sind, in denen diese sich aufhalten und verweilen können ohne gleichzeitig etwas verzehren zu müssen . Veränderungen sind wiederum an den Einsatz von Mitteln gebunden, die nicht zur Verfügung stehen. Besonders Jugendliche, aus armen Familien verfügen zudem nicht über die notwendigen Mittel, um kulturelle Angebote in Nachbarkommunen oder nahegelegenen größeren Städten nutzen zu können. Die Schließung von Schwimmbädern, Sportplätzen, mangelnde Ausstattung von Büchereinen etc. wirkt besonders nachteilig für diese Jugendlichen aus. Befragungen von Schulklassen in haben gezeigt, dass gerade HauptschülerInne, -aber nicht nur diese - sich eine schöne, saubere Schule, keine kaputten Spielplätze, eine saubere Stadt und mehr Schutz durch die Polizei vor Gewalt wünschen. Sie möchten nicht ständig verjagt werden und auch nicht ihre Plätze mit Alkohol konsumierenden Suchtkranken teilen müssen.
Speziell auf die Bedürfnisse von jungen, bildungsfernen Eltern zugeschnittene in räumlicher Nähre zum Wohnviertel stattfindende Qualifizierungsangebote, die eine weitgehende Flexibilität ermöglichen und kultursensibel sind können aufgrund gesetzlicher Vorgaben vom Jobcenter nicht finanziert werden und nur dann angeboten werden, wenn über Stiftungen Geld eingeworben werden.
Gesundheitsförderung und Prävention in der Kommune ist ein Thema, für das sich viele Akteure begeistern lassen und an dem sie bereit sind mitzuarbeiten. Wenn allerdings wegen der beschriebenen strukturellen Probleme und mangelnden Ressourcen nur wieder Projekte mit einem kontextuell verkürzten Ansatz auf den Weg gebracht werden führt dies langfristig zu Enttäuschung. Es kann nicht erwartet werden, dass für Koordinationstätigkeiten unbezahlte Freiwillige zur Verfügung stehen, die durch geschicktes Agieren Zugang zu Fördertöpfen erschließen. Die vielen ausgeschriebenen Wettwerbe verdecken, den dahinter liegenden Mangel zu verbergen. Ohne Zweifel können Prozesse optimiert werden und bestehende lokale Konkurrenzsituationen und ein Nebeneinanderherwursteln durch geschickte Moderation in eine fruchtbare Zusammenarbeit umgewandelt werden. Auch sind Personalentwicklungsmaßnahmen sinnvoll und notwendig um die Arbeit der einzelnen Institutionen zu verbessern.
Instrumente, die dazu verhelfen, mit Kennzahlen zu Steuern wurden zwar von der Bertelsmanns-Stiftung zur Verfügung gestellt. Jedoch hängt der Einsatz dieser oder anderer ähnlicher Instrumente immer noch vom Good Will ab. Und auch dann wissen wir noch nicht, in welchen Familien Eltern chronische körperlich oder psychisch krank und oder behindert sind, welche Eltern ihren Kindern nicht vorlesen können, weil sie selbst in der Schule nicht die Chance hatten ausreichende Lesekompetenz zu erwerben, also ein Einsatz von sozialpädagogischer Familienhilfe aus Kostengründen nicht auf eine bestimmte Anzahle von Stunden begrenzt werden kann usw.
Es ist also vor allen Dingen auch notwendig Transparenz herzustellen. Bundesgesetze und Ländergesetze aufeinander abzustimmen, nicht immer wieder eine neue Sau durchs Dorf zu treiben, sondern Ausschreibungen aufeinander abzustimmen und dort über Koordinierungsstellen Unterstützung anzubieten, wo Aufgaben von eine kleinen Kommune nicht alleine geleistet werden können.
Die Liste der strukturellen Hindernisse bei der Umsetzung des Ziels „ Gesund Aufwachsen“, dem Aufbau kommunaler Präventionsketten, der Gesundheitsförderung in der Kommune sind lang und sollten nicht unterschätzt werden. Seit Jahren wurde auf dem Kongress Armut und Gesundheit zu Recht das Ende der „Projektitis“ gefordert. Die Voraussetzungen für ein Strategisches Managen, Steuerung unterstützt durch Kennzahlen unter Berücksichtigung der unterschiedlichen Stakeholder, Aufhebung der Versäulung von Bildungs-, Sozial- und Gesundheitssystem und Kooperation in kommunalen Gesundheits- und Bildungskonferenzen, ausreichende Finanzausstattungen durch die Festlegung von Standards, die auch Kommunen im Nothaushalt ermöglichen freiwillige Leistungen auszuweiten, müssen Schritt für Schritt entwickelt werden und sind auch bei der Stadtentwicklung zu berücksichtigen.

05.12.2011 15:15 Uhr

Beitrag: Hans Wolter

Hans Wolter:

Das Ende der Projektitis in der Gesundheitsförderung zu fordern, ist die richtige Antwort auf Top-down-Programme der Bundes- und Landesebene. Man wusste zwar schon immer, dass eine lebensweltrelevante Gesundheitsförderung sozialräumlich konzipiert, geplant und koordiniert werden muss. Man wusste auch, dass in einem föderalen Staat wie der Bundesrepublik mit dem geltenden Subsidiaritätsprinzip und der Garantie der kommunalen Selbstverwaltung Programme der Gesundheitsförderung in kommunale und lokale Verantwortungs- und Vernetzungsstrukturen gehören, wenn man wirklich nachhaltige Wirkungen erzielen will. Gleichwohl ließ man sich auf eine "Fernsteuerung" vieler neuer Maßnahmen der Prävention und Gesundheitsförderung ein, ohne die normativ-gesetzlichen und finanziellen Voraussetzungen dafür einzufordern. Genauso wie in der Bildungspolitik klaffen deshalb Strukturen und inhaltlicher Qualitätsanspruch in der nichtmedizinischen Gesundheitsarbeit nach wie vor weit auseinander. Vielleicht erweist sich das aber noch einmal als Vorteil in der Zukunft, wenn die Einsicht in die lokale und kommunale Vernetzung von Aufgaben gewachsen sein sollte.
Bis heute ist Vernetzung zu einem instrumentellen Schlagwort in Politik und leider auch in den Gesundheitswissenschaften verkommen. Kein „von oben“ finanziertes Projekt zur Gesundheitsförderung ohne wegweisenden Vernetzungs-„Erfolg“ vor Ort. Kein Forschungsprojekt ohne Erkenntnisse über Ressourcenförderung, Partizipation und lebensweltliche Strukturentwicklung.
In einer „Gesunden Stadt“, die Bürgerbeteiligung und Sozialraumorganisation zugunsten der Gesundheitsinformation der Bürger betreibt, kommt es hingegen in erster Linie darauf an, Professionelle und Laien zu vernetzen. Der Sozialraum benötigt nicht nur eine wissenschaftlich einwandfreie Packungsbeilage, sondern soziokulturelles Engagement für die Identität des eigenen Lebens- und Wohnorts, Möglichkeiten, anderen Menschen freiwillige Hilfe und Unterstützung anzubieten, innovative Methoden der gesundheitlichen Aufklärung in der Quartiersöffentlichkeit , Plattformen für nützliche Kontakte und gegenseitige Hilfen, Reflexionsräume für die berufliche Praxis in den verschiedenen Lebenswelten (Schulen, Kinderbetreuungseinrichtungen, Beratungsstellen u.ä. ), Bürgerbeteiligung und die Artikulation gesundheitsrelevanter Gruppeninteressen (Sport, Bedürfnisse Jugendlicher und Älterer).
Fazit: Keine Gesundheitsförderung ohne kommunalpolitische Koordination! Keine Kommunalpolitik ohne direkte Verantwortung für gesundheitliche Prävention und Vorsorge!

05.12.2011 17:44 Uhr

Beitrag: Margret Roddis, Sabine Tengeler, Rainer Kirstätter

Margret Roddis, Sabine Tengeler, Rainer Kirstätter:

Kooperation kann Effizienz bewirken. Doch dies erschließt nicht den eigentlichen Sinn von Netzen. Es wird gerne übersehen, dass Netze im Grunde Selbstzweckcharakter haben: Das verbindende, bezogene Miteinander der Beteiligten hat eigenen Wert und Sinn an sich. Ein Netz ist damit mehr als ein an Effizienz messbares Produkt, denn wesentliche Teile sind „weiche“, überwiegend nur deskriptiv erfassbare Qualitäten.

Netze können viel mehr sein: Hier in Hamburg-Lurup hüten wir Netze als für uns unumgängliche Instrumente der Partizipation. Das ist aufwändig, da es gilt, eine „Kultur des Miteinanders“ einzuführen und zu erhalten, zu der sich alle Beteiligten eingeladen fühlen sollen. Deren Beiträge bilden einerseits die vorhandene Vielfalt des gesamten Potenzials ab, andererseits soll in Begegnungen, im Austausch, im wertschätzenden Dialog ein befruchtendes Miteinander entstehen - ein Prozess, der emergente Ergebnisse erst möglich macht. Das Netzwerken geschieht bei uns im bewussten Gestalten eines Begegnungsraumes, der zwischen allen Beteiligten personale, qualitative und nachhaltige Verbindungen herstellt – die tragende Struktur des Netzes und sein eigentliches Potenzial.

Die „Kultur des Miteinanders“ ist keine Theorie oder Utopie. Sie ist hier seit Jahren in der Stadtteilarbeit (z. B. im Bürgerforum „Luruper Forum“) etabliert und führte auch zu einem, für die Begründung und die Pflege von Netzen wichtigen Fortbildungsansatz: CommunityField. Inzwischen sind über 60 Multiplikatoren (Professionelle und Ehrenamtliche) in dieser Methode ausgebildet und tragen zum Erhalt der Kultur bei.

In Hamburg wurde CommunityField zudem als Teil des Projekts „Pakt für Prävention“ implantiert, in dem alle Beteiligten im Gesundheitsförderungsbereich zusammenwirken. Es hat 4 Säulen, daruter eine Geschäftsstelle für Gesundheitsförderung direkt im Quartier, einen Verfügungsfonds, der von den Krankenkassen zur Förderung lokaler Gesundheitsprojekte finanziert wird, und schließlich – entscheidend für die Vernetzung aller Akteure im Quartier - eine CommunityField-Fortbildung. Diese soll die Teilnehmer befähigen, als Multiplikatoren der „Kultur des Miteinanders“ einerseits Schlüsselpersonen anzusprechen, einzubeziehen und im lokalen Netz stabil zu verankern, sowie andererseits selbst als Hüter dieser Kultur zu wirken.

Wir erleben uns in Netzen ähnlich wie Frau Hartmann von REGSAM: Ihr „voneinander wissen“ trägt das „miteinander handeln“. Die bereichernden Erfahrungen menschlicher Begegnung motivieren uns immer wieder, diese Qualitäten hoch zu halten und ihre Umsetzung unverdrossen anzustreben. Wenn Politik und Verwaltung die „Ökonomisierung des Sozialen“ (zit. nach Pallentin) betreiben, dann sollten doch wenigstens wir, die wir an der „Front“ stehen, Visionen entwickeln und halten. Lassen Sie uns „netzwerken“ im Vertrauen, dass die/der Andere eine Bereicherung für uns sein könnte. Wir finden es nach wie vor spannend, wie Menschen zueinander finden und sich ihre ganz spezifische Beziehung als Struktur eines nachhaltigen Netzes entwickelt – und zwar gleichrangig und parallel zu den Anlässen, die das Netz ursprünglich initierten. Was sich im Netz und aus ihm heraus entwickelt, ist dann das ganz eigene Werk aller Beteiligten.

Die „Kultur des Miteinanders“ bewirkt so als Aspekt sozialer Gesundheit die Gesundheitsförderung direkt im, aber mehr noch am Setting Stadtteil: Nicht nur Projekte können transportiert werden, sondern es entsteht ein aktives, eigenständiges, soziale Themen beförderndes Netz, wodurch das Setting sich selbst qualitativ verändert und ein Stück mehr zum gesundheitsförderlichen Lebensraum wird.

Margret Roddis / Sabine Tengeler / Rainer Kirstätter
Stadtteilhaus Lurup –BÖV 38
T. 040-87974116
margret-roddis@hamburg.de
sabine.tengeler@hamburg.de
rainer.kirstaetter@web.de
www.böv38.de
www.communityfield.de

06.12.2011 18:52 Uhr

Beitrag: Ute Dicks, Christine Merkel

Ute Dicks, Christine Merkel:

Als Dachverband von bundesweit 57 Gebietswandervereinen ist der Deutsche Wanderverband (DWV) auf nationaler Ebene tätig, weniger direkt auf kommunaler Ebene. Dort spielen die uns angeschlossenen Ortsgruppen jedoch eine wichtige Rolle – sie bieten besonders älteren Menschen wichtige soziale Netzwerke, die weit über das eigentliche Wanderangebot hinausreicht. Abgesehen von der Bundesgeschäftsstelle und den Geschäftsstellen der mitgliederstärksten Gebietsvereine findet ein Großteil der geleisteten Arbeit in den Wandervereinen ehrenamtlich statt.
Der Deutsche Wanderverband unterhält außerdem Themen / Projekte, die gezielt die Gesundheit verschiedener Altersgruppen fördert: Let´s go – jeder Schritt hält fit erreicht mit dem zertifizierten Gesundheitswandern und dem Deutschen Wanderabzeichen vor allem die Altersgruppen 50+, das Projekt Schulwandern setzt sich für attraktive Wandertage und damit für Bewegungsförderung in Schulen ein.
Als bundesweiter Dachverband gehört zu unseren Aufgaben die Vernetzung mit Strukturen und Organisationen aus Politik, Gesellschaft, Gesundheitsförderung und Bildung. Hilfreich dafür sind Veranstaltungen, wie z.B. die jährlichen Vernetzungsworkshops von IN FORM. Die so entstehenden Kontakte und sich daraus ergebenen Inhalte müssen über die verschiedenen Ebenen bis zur Basis – in die Ortsgruppen - transportiert werden, damit sie dort umgesetzt werden können. Notwendig ist von daher eine gelingende Kommunikation, die alle Ebenen erreicht. Das betrifft parallel dazu alle beteiligten Partnerorganisationen, damit die Vernetzung auf allen Ebenen funktionieren kann. Beim diesjährigen IN FORM-Vernetzungsworkshop wurde angeregt, Schulungen für Multiplikatoren anzubieten, damit die Kommunikation innerhalb von Organisationen und zwischen Netzwerkpartnern besser gelingt. Das würden wir begrüßen.
Für sehr wichtig erachten wir die Anerkennung von Ehrenamtlichen als ernstzunehmende Partner. Diese müssen in Entscheidungsprozesse eingebunden und unterstützt werden.
Vernetzung im Handlungsfeld von Prävention und Gesundheitsförderung ist richtig und wichtig. Vorhandene Synergien sollten genutzt werden. Das erfordert Offenheit auf allen Seiten. Der Ruf nach Vernetzung darf jedoch nicht dazu beitragen, dass vorhandene Strukturen überstrapaziert werden. Für Vernetzung benötigt man Personal und Zeit - und somit Geld. Das sollte bereits in der Planung von Projekten sowie in der Förderpolitik berücksichtigt werden.

07.12.2011 09:51 Uhr

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Gemeinsam handeln Chancen verbessern

Teil7 "Gemeinsam Handeln"

Das neue Heft 7 der Arbeitshilfen "Aktiv werden für Gesundheit" widmet sich der sektoren- und berufsübergreifenden Zusammenarbeit im Quartier und in der Kommune.

REGSAM

Als erstes Good Practice-Netzwerk wurde 2010 REGSAM aus München ausgezeichnet. Ein Video zur Auszeichnung und der Netzwerkarbeit ist hier zu finden.

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