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Soziale Lage in Bremen
Das Monitoring in Bremen basiert auf ausgewählten Sozialindikatoren (siehe "Sozialindikatoren 2005" in Bremen, PDF-Datei, 52 KB), aus dem ein so genannter "Benachteiligungsindex" ermittelt wird; im gesamtstädtischen Vergleich werden so besondere Problemlagen deutlich. Bestimmte Indikatoren, z.B. die der Kriminalstatistik, konnten jedoch bisher nicht in den Index einfließen.
Einzelne Sozialindikatoren, wie Arbeitsstatus, Bildung, Bezug sozialer Hilfen, Staatsangehörigkeit oder Wahlbeteiligung, werden auf Ortsteileebene ausgewertet. Der daraus ermittelte Benachteiligungsindex bestimmt anschließend die Rangfolge der Ortsteile nach dem Grad ihrer sozialen Zusammensetzung.
Die kartographische Übersicht über die soziale Lage in Bremen (Stand: 2005) ist hier als PDF-Datei verfügbar: PDF-Datei, 235 KB
Fokus: Sozial benachteiligte Jugendliche in Bremen
Im 1. Armutsbericht der Arbeitnehmerkammer Bremen aus dem Jahr 2002 fiel der hohe Anteil von Kindern in der Sozialhilfestatistik auf. Seither sind die Zahlen weiter gestiegen. Kinderarmut hat Auswirkungen auf die Gesundheit und die gesundheitliche Versorgung von Kindern. Langzeitfolgen dieser Unter- und Fehlversorgung müssen in hohem Maße angenommen werden. Ungünstige Lebensumstände in der Kindheit zeigen Auswirkungen auf das Verhalten und die Gesundheit im Jugend- und Erwachsenalter.
Das Gesundheitsamt Bremen hat im Dezember 2003 eine Auswertung »Bildungsziele Gesundheit - Zur gesundheitlichen Lage von Jugendlichen in erschwerten Lebenslagen« vorgelegt. Der Bericht zeigt , dass 3 von 4 Jugendlichen ohne Schulabschluss im Alter zwischen 15 und 20 Jahren überproportional häufig unter gesundheitlichen Auffälligkeiten, Störungen und Schädigungen leiden. Medizinisch relevante Befunde wurden bei drei Viertel (77,5%) der Untersuchten festgestellt. Nur jeder 4. Jugendliche dieser Gruppe wurde laut Bericht als gesund bezeichnet.
Die gesundheitlichen Beeinträchtigungen im Jugendalter können den weiteren Lebensweg beeinflussen. Solche Beschwerden beeinträchtigen nicht nur die Lebensqualität, sondern sie können zu Einschränkungen der Berufswahl führen. Die Chance auf einen Ausbildungs- und Arbeitsplatz, der den eigenen Fähigkeiten und Neigungen entspricht, wird hierdurch zusätzlich verschärft. Jugendliche in sozial schwierigen Lebenslagen sind hiervon besonders betroffen. Gesundheitliche Beeinträchtigungen beeinflussen die Aussicht, eigenverantwortlich und selbstbestimmt am gesellschaftlichen Leben teilhaben zu können, negativ.
Die häufigsten Befunde im Jahr 2003 in Bremen waren
- 31,2% Allergien/Hauterkrankungen
- 30,8% Sehschwächen
- 22,8% orthopädische Befunde
- 19,6% psychische Befunde
- 16,7% Übergewicht.
Zigaretten, Alkohol und Drogen wurden überproportional häufig konsumiert. Unabhängig von ihrer Herkunft (deutsche/ nicht-deutsche Jugendliche) erschienen die weiblichen kränker als die männlichen Jugendlichen. Psychische/psychosoziale Auffälligkeiten wurden bei den jungen Frauen häufiger festgestellt. Für 37% der weiblichen gegenüber 8% der männlichen Jugendlichen wurden belastende Werte ermittelt. Körperliche und sexuelle Gewalterfahrungen der jungen Frauen müssen hier als mögliche Auslöser berücksichtigt werden.
Der Bericht bestätigt die Untersuchungsergebnisse der Bremer Jugendstudie. 18,6 der Befragten 12-17 Jährigen gaben 1996/1997 an, unter Angststörungen zu leiden, 17,9 litten unter Depressionen, 13,1% unter somatoformen Störungen. Auch in dieser Studie wiesen Mädchen deutlich höhere Werte auf als Jungen. Jungen hingegen fielen besonders in den Bereichen Substanzmissbrauch und Störung des Sozialverhaltens auf. Die Autoren kommen 1996/97 zu dem Fazit, dass speziell Trennungs-, Übergangs- und Anforderungssituationen als belastende Ereignisse für die Jugendlichen wirken können.
Besondere Auffälligkeiten fanden sich in Bremen 2003 unter den Jugendlichen auch im Bereich der orthopädischen Erkrankungen: Im Vergleich zu Jugendlichen einer 10. Klasse in Brandenburg wurden in Bremen doppelt so häufig Befunde in der jugendlichen Population erhoben. Auch hier sind junge Frauen deutlich häufiger betroffen (Deutsche 35% weibliche vs. 25% männliche; Nicht Deutsche: 14% vs. 11% männliche)[siehe: Gesundheitsamt Bremen (2003) Bildungsziel Gesundheit. Zur gesundheitlichen Lage von Jugendlichen in erschwerten Lebenslagen. Untersuchungsergebnisse aus der Berufseingangsstufe der Berufsfachschulen in Bremen - Schuljahr 2002/03]. Wichtig in diesem Zusammenhang zu erwähnen ist, dass Jugendliche mit Migrationshintergrund ihren Gesundheitsstatus günstiger einstufen als gleichaltrige deutscher Herkunft. Hier ist zu fragen, auf welche Ressourcen die verschiedenen Gruppen zugreifen bzw. nicht zu greifen können.
Als Konsequenz aus dieser Analyse der gesundheitlichen Lage konzentriert sich die Zielgruppenarbeit des Regionalen Knoten auf Projekte und Arbeitszusammenschlüsse, die Ressourcen der Jugendlichen dieser Altersgruppe fördern. Soweit möglich, wird die Arbeit die Situation von jungen Frauen besonders berücksichtigen.
Literatur:
Essau, C.A., Karpinski, N.A., Petermann, F. & Conradt, J. (1998):
Häufigkeit und Komorbidität psychischer Störungen bei Jugendlichen: Ergebnisse der Bremer Jugendstudie. Zeitschrift für Klinische Psychologie, Psychiatrie und Psychotherapie, 46, 105-124.
Gesundheitsamt Bremen (Hrsg.) (2003):
Bildungsziel Gesundheit. Zur gesundheitlichen Lage von Jugendlichen in erschwerten Lebenslagen. Untersuchungsergebnisse aus der Berufseingangsstufe der Berufsfachschulen in Bremen - Schuljahr 2002/ 2003.
Kinderarmut und Kindergesundheit in Bremerhaven
Bremerhaven nimmt im bundesweiten Vergleich der Sozialgelddichte eine Spitzenposition ein. Sie liegt unter allen Kindern in Bremerhaven bei 38,6 Prozent (Reißlandt, Nollmann 2006: 25). Das Armutsrisiko von Kindern liegt mit 7,2 Prozent doppelt so hoch wie das der Bevölkerung im Durchschnitt (ebda.). Kinder aus armen Familien leben in der Regel in armen Stadteilen: die Infrastruktur dort ist i.d.R. schlechter, das soziale Umfeld von Arbeitslosigkeit, Geringverdienenden, Minderjährigen und MigrantInnen geprägt, also Personengruppen, die ihrerseits i.d.R. nur über einen beschränkten Zugang zu verschiedensten Bereichen des soziales Lebens in ihrer Lebensregion in Deutschland verfügen. D. h., die Kinder wachsen auf, ohne die volle Teilhabe am sozialen Leben kennen zu lernen. Ihnen fehlt ein Bezugspunkt, der ihnen Bildung und Kultur des unmittelbaren sozialen Lebensumfeldes vermittelt. Fehlende Bildung ist jedoch ein hohes Gesundheitsrisiko. Die Gesundheit von Kindern nimmt nicht nur dann Schaden, wenn sie nicht genügend von der Familie beachtet wird bzw. werden kann, sondern ist in besonderer Weise gefährdet, wenn die zunehmende Verarmung von Stadtteilen und Städten zu Lücken in der Infrastruktur führen.
Quellen:
Arbeitnehmerkammer Bremen (2004): Armut in Bremen, Schwerpunkt: Armut und Gesundheit. Bremen (PDF-Datei, 5.181 KB)
Gesundheitsamt Bremerhaven (2003): Kindergesundheit in Lehe. Im Fokus: 4 Kindertagesstätten. Eine Betrachtung des Gesundheitsamtes. Bremerhaven.
Reißlandt, Carolin, Nollmann, Gerd (2006): Kinderarmut im Stadtteil: Intervention und Prävention. In: ApuZ 26/ 2006.
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