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Schwerpunktthema: Gesundheitsförderung in Kindertagesstätten



Der Regionale Knoten Berlin hat sich bis Ende 2007 die Gesundheitsförderung von Kindern in Kindertagesstätten zum Schwerpunkt gesetzt.

Die ersten fünf Lebensjahre stellen eine besondere Entwicklungsphase dar und nehmen entscheidenden Einfluss für die physischen und psychische Gesundheit sowie die spätere Gesamtpersönlichkeit. In dieser Zeit besteht eine besonders hohe Abhängigkeit und Verletzlichkeit, die von den Eltern und der Umgebung ein hohes Maß an Sensibilität und sozialen Kompetenzen erfordert. Ferner bilden sich in dieser Entwicklungsphase wichtige Basiskompetenzen und Verhaltensweisen heraus. Der sozioökonomische Status hat dabei einen wesentlichen Einfluss auf die allgemeine und gesundheitliche Entwicklung bereits in früheren Lebensjahren. Dies wird darauf zurückgeführt, dass sozial Benachteiligte, also Personen mit niedriger Bildung, Migrationshintergrund, niedrigem Status und/oder Einkommen besonders hohen gesundheitlichen Belastungen ausgesetzt sind, ein „ungünstigeres“ Gesundheitsverhalten aufweisen, weniger Leistungen bzw. Angebote des Gesundheitssystems in Anspruch nehmen sowie über geringere Bewältigungsressourcen verfügen.

Kinderarmut in Deutschland und in Berlin

Derzeit mehren sich Berichte zur Beschreibung der Kinderarmut in Deutschland, wonach je nach Studie zwischen 1,5 bis 2 Millionen Kinder als arm gelten. Damit liegt Deutschland im europäischen Vergleich hinter Irland an zweiter Stelle, was die Kinderarmutsrate betrifft. Laut UNICEF ist die Kinderarmut in Deutschland stärker als in den anderen Industrieländern gestiegen.
In Berlin sind 16 % der Bevölkerung Kinder im Alter von 0 - 18 Jahren (kleine Berlin-Statistik 2003). Vor allem Kinder alleinerziehender Mütter, aus kinderreichen Familien, die in Haushalten leben, in denen beide Elternteile arbeitslos sind oder Sozialhilfe beziehen sowie aus Einwandererfamilien sind besonders von sozialer Benachteilung betroffen. Wie die folgende Abbildung zeigt, ist der Anteil der kleinen Kinder unter 7 Jahren besonders hoch.

Abb. 1: Sozialhilfeempfängerdichte in Berlin am 31.12.2003 nach Altersgruppen

Empfänger laufender Hilfen zum Lebensunterhalt

Quelle: BZgA (2002) Band 16 „Früh übt sich ...“ Gesundheitsförderung im Kindergarten

Quelle: Gesundheitsberichterstattung Berlin 2003/2004


Gesundheitsprobleme im Kindesalter

Dass Gesundheitsförderung bereits in Kindertagesstätten Eingang finden muss, zeigen verschiedene Ergebnisse von Schuleingangsuntersuchungen. Einen guten Überblick gibt die HBSC-Jugendgesundheitsstudie 2002, welche das Robert-Koch-Institut im Auftrag der WHO erstellte. Die Studie geht auf gesundheitliche Aspekte, wie das Gewicht oder psychosomatische Beschwerden und gesundheitsrelevante Verhaltensweisen ein, wie z.B. ohne Frühstück in die Schule oder die Zahnhygiene. Eine Gegenüberstellung des oberen wie unteren Wohlstansquintils verdeutlicht zudem das Problem des gesundheitlichen Ungleichgewichts bereits in diesem Alter.

Doch auch bei den Vierjährigen finden sich bereits Defizite beim Sehen, Hören, den motorisch-koordinativen Fähigkeiten sowie der Sprachentwicklung, wie eine Leipziger Studie ergab (Düring 2005). Die Kinder zeigten Verhaltensauffälligkeiten und Konzentrationsstörungen. Die Zahl der Kinder mit Übergewicht wächst und somit die Wahrscheinlichkeit, im Erwachsenenalter an einer verhaltensbedingten Erkrankung wie dem Bluthochdruck, einer Herz-Kreislauf-Erkrankung oder Diabetes zu erkranken.

Als zentrale Gesundheitsprobleme des Kindesalters benennt die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA)

Vor allem Kindern aus sozial schwachen Familien mit geringen Bildungshintergrund weisen diese Probleme auf.

Vor diesem Hintergrund ist eine möglichst früh einsetzende Gesundheitsförderung von besonderem Interesse, da bei kleinen Kindern noch hohe Gesundheitspotenziale vorhanden sind, bzw. Gesundheitsprobleme entweder noch nicht bestehen oder noch nicht verfestigt sind.


Handlungsfelder der Gesundheitsförderung bei Kindern

Auch werden in der frühen Kindheitsphase eine Vielzahl von Verhaltensmustern und Kompetenzen ausgebildet sowie Entwicklungsprozesse angestoßen, die maßgeblich für den gesamten weiteren Lebensweg der Kinder und Jugendlichen sind, so dass eine entsprechende Lenkung in dieser Lebensphase positive Auswirkungen nach sich zieht.

Die Handlungsfelder der Gesundheitsförderung von Kindern sind zahlreich:
Naheliegend ist es bei Gesundheitsförderung an die Bereiche Bewegung und Ernährung zu denken, doch auch die Sprachentwicklung nimmt einen deutlichen Einfluss auf die Entwicklung, der Umgang mit Stress und die Prävention von Gewalt sind wichtige Themen in diesem Alter.
Da besonders kleine Kinder häufig verunfallen, stellt die Prävention von Kinderunfällen sowohl was die Ausbildung von Bewegungsabläufen aber auch die Sicherheit von Spielsachen oder Spielplätzen anbelangt, eine wichtige Aufgabe dar.

Weitere Themenfelder sind die Suchtprävention, Sexualaufklärung, Aufbau von Lebenskompetenzen, Förderung der Impfbereitschaft und Wahrnehmung von Früherkennungsuntersuchungen. Ebenfalls nicht zu unterschätzen ist das Thema der Kindervernachlässigung und Kindesmisshandlung. Im Vergleich zu den anderen Bundesländern ist die Anzahl der hiervon betroffenen Kinder in Berlin kontinuierlich gestiegen.


Gesundheitsförderung im Setting KiTa

Gesundheitsförderung in Kitas findet in der Regel vor allem in Form von Projekttagen und Einzelaktionen statt und beziehen sich vornehmlich auf Maßnahmen zur  Verhaltensprävention, insbesondere in den Bereichen Bewegung, Ernährung und Unfallprävention (Göpfert et al. 2004). Nur wenig Programme verfolgen einen ganzheitlichen Ansatz, der sich auf verschiedene gesundheitsrelevante Themen richtet und auch die Verhältnisprävention in Kindertagesstätten einschließt.
Dabei steigen infolge der negativen Entwicklungen von Rahmenbedingungen in Kitas die Belastungen bei Erziehern und Erzieherinnen.

Die Kindertagesstätte ist ein idealer Ort für Gesundheitsförderung, da die Kinder hier viel Zeit verbringen und einen Großteil ihrer kindlichen Sozialisation durchlaufen. Gesundheitliche Defizite sind entweder noch nicht vorhanden oder zumindest noch nicht verfestigt und gesundheitsrelevante Verhaltensweisen werden in dieser Entwicklungsphase ausgebildet. Zudem besteht häufig noch ein guter Kontakt zu den Eltern.


Soziallagenbezogene Gesundheitsförderung in Kitas

Eine gezielte Gesundheitsförderung von Kinder aus sozial schwachen Familien ist deswegen wichtig, da einerseits deren gesundheitliche Situation vergleichsweise schlechter ist, als bei Kindern aus höheren Sozialschichten und zugleich die Angebote der Gesundheitsförderung von dieser Personengruppen weniger wahrgenommen werden. D.h. gerade diejenigen, welche gesundheitsförderlich Maßnahmen am dringendsten benötigen, sind am schlechtesten erreichbar.


Kooperationspartner des Kindergartens

Verschiedene Partner bieten sich für Kindergärten an, die bei der Umsetzung von Gesundheitsförderung behilflich sein können.

Abbildung: Kooperationspartner des Kindergartens zur Unterstützung der Gesundheitsförderung

Vernetzung zwischen Kindergarten, Ämtern, Vereinen, Eltern



Berliner Arbeitskreise im Bereich Kinder

In Berlin bestehen bei Gesundheit Berlin e.V. folgende Arbeitskreise, deren Arbeit sich auf diese Zielgruppen richtet, bzw. in denen sozial benachteiligte Kinder einbezogen werden.




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